Bestattungen im Hinduismus

Geschichte und Kultur

Den Sterbende soll man nach Möglichkeit nicht allein lassen. Angehörige umgeben ihn, sprechen Mantras (heilige Worte, die Kraft geben sollen) und singen spirituelle Lieder, welche die Seele des Sterbenden rein halten sollen. Der Sterbende soll sich so wohl wie möglich fühlen. Er wird mit dem Kopf in Richtung Süden gelegt, da dort Yama, der Todesgott erwartet wird. Wenn möglich soll der Sterbende Wasser aus dem heiligen Fluss Ganges zu trinken bekommen. Das soll ihm dabei helfen, dass seine Seele Frieden erlangt. Die traditionellen Rituale werden in Deutschland oft nur verkürzt oder gar nicht durchgeführt, da die meisten Menschen im Krankenhaus oder im Heim versterben.

Traditionell erfolgt die Aufbahrung des Toten im häuslichen Umfeld. Nach Eintritt des Todes wird der Körper vom ältesten Sohn gewaschen. Er wird neu eingekleidet und zusammen mit roten Blumen in ein weißes Tuch gewickelt. Die rituelle Waschung dient der Reinigung des Körpers und der Seele.

Die Bestattungsrituale sind im Hinduismus nicht so einheitlich gestaltet wie im Christen– oder im Judentum. Sie unterscheiden sich je nach Kaste, Region und gesellschaftlichem Status. Typisch ist zunächst die Aufbahrung des Verstorbenen im Haus, die Waschung, das Einkleiden und das Einwickeln in ein Leichentuch. Die einzig mögliche Bestattungsart ist die Feuerbestattung. Feuer gilt unter gläubigen Hindus als Erscheinungsform der Gottheit Shiva. Außerdem verkörpert das Feuer Agni, die Flammengstalt Gottes, die die Seele des verstorbenen ins Jenseits geleitet. Dort verbleibt sie – bis zur nächsten Wiedergeburt. (Quelle). Hindus glauben, dass sich durch das Verbrennen die Seele vom vergänglichen Leib befreit. Ausnahmen sind Priester, Kinder und Schwangere. Sie werden nicht eingeäschert, sondern erdbestattet oder einem heiligen Gewässer übergeben.

Unter Hindus gibt es die Vorstellung, dass sie den ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt durchbrechen können, wenn sie am Ganges sterben und anschließend im heiligen Fluss bestattet werden. Daher machen sich viele alte und kranke Menschen zu Lebzeiten auf den Weg nach Varanasi, der heiligen Stadt am Ganges. Traditionell findet die Verbrennung des Leichnams am Todestag statt. Auf einer Bahre tragen die die Männer den Toten in einer Prozession zum Fluss, zum See oder zum Meer. Dort befindet sich ein Ghat (Verbrennungsplatz). Ein Sohn des Verstorbenen entzündet das Feuer. (Quelle). Sowohl die Prozession als auch die Verbrennungszeremonie finden öffentlich statt. Nach einigen Tagen wird die Asche eingesammelt und der Natur übergeben, bevorzugt dem heiligen Fluss Ganges.

 

Trauer im Hinduismus

 

In Indien soll man weder bei der Prozession noch bei der Verbrennung weinen. Erst zu Haus darf man seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Deshalb sind Frauen und Kinder oft von dieser Zeremonie ausgeschlossen, und traditionell nehmen hauptsächlich Männer an der Bestattung teil. Die Trauer über einen geliebten Menschen trägt man im Hinduismus dennoch nach außen. Wenn beispielsweise ein Elternteil stirbt, rasieren sich die Söhne die Köpfe. Außerdem werden zum Gedenken an den Toten Blumen und Kerzen zu Wasser gelassen.  Nach der Bestattung folgen die körperliche und rituelle Reinigung der Angehörigen und  die Reinigung des Hauses. Während der Trauerzeit gelten die Angehörigen des Verstorbenen spirituell als unrein. In dieser Zeit müssen sie ihre sozialen Kontakte einschränken und die vorgeschriebenen Rituale durchführen. Eine Trauerzeit von 12 Tagen soll nach einem Todesfall eingehalten werden. In dieser Zeit tragen die Angehörigen des Verstorbenen weiße Kleidung.

An jedem Todestag kommen die männlichen Verwandten zu Shraddha, einem Gedenkfest zusammen. Es wird ein Bild des Verstorbenen aufgestellt und mit Blumengirlanden geschmückt. Sein Lieblingsessen wird gekocht, und er wird eingeladen, davon zu probieren

 

 

 

Grundsätzlich können Verstorbene hinduistischen Glaubens auf jedem überkonfessionellen Friedhof in Deutschland beigesetzt werden. Aus Kostengründen entscheiden sich in Deutschland lebende Hindus aber auch oft für eine Seebestattung in der Ostsee oder in der Nordsee. Dem alten Brauch, die Asche des Verstorbenen wieder an die Natur zu übergeben, wird dadurch auch in hierzulande nachgekommen. Die traditionelle und einzige Form der Bestattung ist die Feuerbestattung; Ausnahmen gibt es nur bei Kindern, Schwangeren und Priestern. In hinduistisch geprägten Ländern wie Indien erfolgt die Verbrennung noch am Todestag. Die Asche wird anschließend im Ganges, in einem anderen Fluss oder im Meer verstreut. Die Bestattungsgesetze in Deutschland ermöglichen jedoch keine öffentliche Verbrennung. Daher erfolgt die Einäscherung in einem Krematorium, wobei die Angehörigen bei der Einäscherung oft anwesend sind.

Da die traditionellen Bestattungsriten aufgrund der Gesetze in Deutschland zum Großteil nicht durchgeführt werden, entscheiden sich viele Hindus für eine Überführung ihrer Verstorbenen in das jeweilige Heimatland. Für eine Überführung im Sarg fallen neben den Grundleistungen einer Erdbestattung (Sarg, Abholung, Überführung, Formalitäten) zusätzlich Kosten für die Herrichtung des Verstorbenen und des Sarges an. Für die Überführung wird der Verstorbene einbalsamiert. Der Transportsarg muss mit Zink ausgekleidet werden. Es werden Papiere und ein Leichenpass benötigt. Die Kosten für einen Sargtransport im Flugzeug können mehrere Tausend Euro betragen. Daher erfolgt die Einäscherung meistens in Deutschland, so dass die Asche nach Indien verbracht und dort beigesetzt wird. Diese Variante ist dann günstiger.

(Quelle: bestattungsvergleich.de)

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