Der ewige Kampf gegen die Bequemlichkeit
Kürzlich sprach ich mit einer vertrauten Bekannten über die Endlichkeit und wie sich die Wege des
Abschieds über die Jahrzehnte verändert haben. Sie erzählte mir eine Geschichte, die heute fast
unglaublich klingt: Als ihr Vater vor fast 40 Jahren verstarb, hielt die Mutter die Rede und sie selbst spielte
als Pianistin die Orgel. Doch statt Anerkennung gab es eine Rechnung vom Friedhof – eine Art
„Ausfallgebühr“, weil man den hauseigenen Organisten nicht gebucht hatte.
Diese Anekdote erinnert mich an eine Zeit der Knebelverträge und Monopole, die wir Gott sei Dank heute
weitgehend hinter uns gelassen haben.
Wenn ich zurückblicke, gab es Strukturen, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Es gab Zeiten
auf großen Friedhöfen, da war die Nutzung der Kapellen fast schon ein diplomatischer Kraftakt, wenn die
Einäscherung nicht exakt dort stattfand, wo es die Verwaltung gerne gesehen hätte. Es gab
Genossenschaften für Dekorationen, die vorschrieben, welcher Lorbeerbaum wo zu stehen hatte – der
eigene Schmuck im Auto musste draußen bleiben.
Es war ein System der Lenkung und der Bequemlichkeit für die Institutionen, oft zulasten der Individualität
der Familien. Wir haben über die Jahre viel dafür getan, diese Barrieren einzureißen. Heute würde ein
solcher Versuch der Bevormundung keine 24 Stunden überstehen.
Und genau hier schlägt die Geschichte die Brücke ins Heute. Wenn ich heute über Künstliche Intelligenz
(KI) spreche, erlebe ich oft dieselben Reaktionen wie vor Jahrzehnten beim Mobiltelefon. Die ältere
Generation lehnt es oft kategorisch ab, die Jugend feiert es, und dazwischen herrscht die Sorge, die Welt
könnte dadurch „verderben“.
Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, er lässt sich nur gestalten. Wer heute sagt „Ich
sitze hier nur meine acht Stunden ab“, wird von der Entwicklung überholt. Das war vor 40 Jahren so, als
man sich gegen starre Friedhofsordnungen wehren musste, und das ist heute mit der KI nicht anders.
Eigenverantwortung statt kollektivem Warten
Wenn es draußen kälter wird, isoliere ich mein Haus – ich warte nicht darauf, dass die Gesellschaft das für
mich übernimmt. So sehe ich es auch mit der Spezialisierung im Beruf. Wir müssen effektive Wege suchen,
uns einbringen und die Technik als Werkzeug nutzen, statt sie als Feind zu betrachten.
Die Endlichkeit ist der einzige Fakt, der für uns alle feststeht. Aber wie wir die Zeit bis dahin gestalten – ob
wir in alten Monopolen verharren oder mutig neue Werkzeuge nutzen, um den Abschied noch persönlicher
und besser zu machen – das liegt ganz allein in unserer Hand. Ich finde es spannend zu beobachten, wie
sich diese Kreise schließen. Auch wenn wir irgendwann nicht mehr dabei sein werden, so haben wir doch
heute die Chance, die Weichen für eine würdevolle und moderne Zukunft zu stellen.
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