Die Residenz-Falle – Wenn beim Einchecken der Bestatter schon im Schrank wartet

Korruption oder Komfort? André Hahn blickt hinter die Kulissen von Seniorenheimen und fragt: Warum landet im Sterbefall eigentlich immer der gleiche Bestatter auf der Matte?

Man nennt es heute „Wohnresidenz“, „Seniorenstift“ oder „Lebensabend-Quartier“. Klingt nach Kreuzfahrt, nur ohne Wellengang. Man bezieht sein letztes Drittel, genießt den Service, die Bar und die gepflegten Anlagen. Doch während man noch die Vorhänge aussucht, wird im Hintergrund oft schon das Drehbuch für den Tag X geschrieben.

 

Haben Sie sich auch schon mal gewundert?

Da zieht jemand aus der Hamburger City in ein schickes Heim vor die Tore der Stadt. Und wenn der Tag X kommt, taucht wie aus dem Nichts das Bestattungsinstitut XY auf. Immer und immer wieder. Zufall? Statistisches Wunder? Oder schlichtweg das, was man im Volksmund „geschmierte Logistik“ nennt?

Das Formular mit dem „kleinen Haken“

Es beginnt oft ganz harmlos beim Einchecken. Zwischen der Einzugsermächtigung und der Hausordnung wird die Familie gefragt: „Wen sollen wir denn benachrichtigen, wenn... Sie wissen schon?“ Und interessanterweise liegt da oft schon ein Kärtchen bereit. „Wir arbeiten eng mit dem Institut Sowieso zusammen, die kennen sich hier aus, die haben den Schlüssel für den Hinterausgang...“

 

Ich nenne das Kind beim Namen: Hier wird suggeriert, statt informiert. Und wenn ich mir anschaue, dass Deutschland im Korruptionsindex laut aktuellen Berichten von 2026 gerade mal so in den Top 10 herumkrebst, dann frage ich mich: Was fließt da eigentlich zwischen Daumen und Zeigefinger, wenn die Empfehlung ausgesprochen wird? Ist es nur „Service“ – oder ist es eine Provision für den Tipp?

Der Hahn pickt nach der Wahrheit

Ich habe mir den Spaß gemacht, mal genau hinzuschauen. In kleineren Orten oder abgeschlossenen Wohnanlagen scheint die freie Bestatterwahl eine Legende aus dem vorigen Jahrhundert zu sein. Es wirkt fast so, als gäbe es ein exklusives „Abo auf den Tod“.

Aber mal ehrlich unter uns Pastorentöchtern:

Glauben Sie wirklich, dass die Heimleitung Ihnen diesen einen Bestatter empfiehlt, weil er der empathischste, beste oder günstigste ist? Oder liegt es eher daran, dass es für das Heim am wenigsten Arbeit macht, weil der Bestatter XY schon weiß, wie er unauffällig durch die Tiefgarage verschwindet, ohne dass die anderen Bewohner beim Kaffeetrinken gestört werden?

Mein Rat:

Bleiben Sie wachsam!

Lassen Sie sich nicht einreden, Sie müssten den nehmen, der im Heim „bekannt“ ist. Ein guter Bestatter kommt überall hin – auch ohne Exklusiv-Vertrag mit der Heimleitung.

Als André Hahn Bestattungen sind wir stolz darauf, dass wir dort hinkommen, wo wir gewünscht werden, und nicht dort, wo wir uns „eingekauft“ haben. Wir brauchen keine Provisionen an Heimleitungen zu zahlen, um unseren Job gut zu machen. Unser „Schmiermittel“ ist höchstens der Kaffee, den wir mit den Angehörigen trinken, während wir ehrlich beraten.

Hinterfragen Sie die Empfehlung. Schauen Sie hin, wer da ankommt. Denn am Ende entscheiden Sie, wer Ihren Liebsten auf dem letzten Weg begleitet – und nicht die Verwaltung einer „Residenz“, die vielleicht ganz andere Interessen im Blick hat als Ihre Trauer.

Bevor nun die ersten Empörungswellen über die Schreibtische der Heimleitungen rollen:

Das hier sind natürlich nur Gedanken, die sich mir durch jahrzehntelange Erfahrung an der Front aufdrängen. In einer Kolumne darf und soll man die Dinge überspitzt darstellen, um den Blick zu schärfen.

Es ist wie bei den großen städtischen Heimen in Hamburg:

Da wird oft ganz obligatorisch von einem ganz bestimmten Bestatter abgeholt, wenn nicht vorher lautstark widersprochen wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Ich möchte lediglich Ihre Fantasie anregen – und Sie ermutigen, beim nächsten Mal vielleicht einmal öfter nachzufragen.

Bleiben Sie kritisch.

Ihr André Hahn


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„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

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