Warum ein zweiter Blick den Schmerz verwandeln kann:
In unserer Gesellschaft herrscht oft das Bild vor, dass der Tod „hinter verschlossenen Türen“ stattfindet. Viele Menschen haben Angst vor dem Moment, in dem sie dem Verstorbenen noch einmal gegenüberstehen.
Doch in meiner täglichen Arbeit sehe ich, dass genau dieser Moment – die persönliche Abschiednahme am offenen Sarg – einer der heilendsten Schritte auf dem Weg durch die Trauer sein kann.
Ein Raum ohne Zeitdruck
Wir gestalten diese Momente heute ganz anders als früher. Weg von dunklen, kalten Aufbahrungshallen, hin zu hellen, freundlichen Abschiedsräumen, in denen man verweilen darf. Hier gibt es keine Eile.
Die Angst verlieren:
Wenn Angehörige den Verstorbenen noch einmal sehen dürfen – friedlich schlafend, in seiner eigenen Kleidung, vielleicht mit einem Lächeln – verliert das Unbegreifliche seinen Schrecken. Das „Letzte Bild“ korrigiert oft die schweren Bilder aus dem Krankenhaus oder der Krankheitsphase.
Berührung erlauben:
Ein letztes Mal die Hand halten, über die Wange streicheln oder einen Brief in den Sarg legen. Diese physische Nähe hilft dem Gehirn zu begreifen, was das Herz noch nicht wahrhaben will.
Den Tod „begreifen“
Es klingt paradox, aber die Konfrontation mit der Realität schenkt oft inneren Frieden. Wer die Möglichkeit hatte, in Ruhe „Tschüss“ zu sagen, den Sarg vielleicht noch einmal selbst zu schließen oder eine Blume hineinzulegen, geht gefestigter in die Trauerfeier. Es ist der Übergang vom „Er ist weg“ zum „Ich habe ihn gehen lassen“.
Fazit:
Die offene Aufbahrung ist kein Relikt aus alter Zeit, sondern ein modernes Werkzeug der Seelenpflege. Wir sollten den Tod nicht verstecken. Wenn wir ihm in einem geschützten, liebevollen Rahmen begegnen, nehmen wir ihm die Kälte und ersetzen sie durch einen Moment tiefer, persönlicher Intimität.
Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:
Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.
Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.
Stellen Sie Fragen, die Sie schon immer einem Experten stellen wollten.
Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.
Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.
Wenn Sie unsere wöchentlichen Kolumnen, neuen Novellen und Informationen zu Themen wie dem „Bremer Modell“ oder praktischer Nachlasshilfe automatisch erhalten möchten, nutzen Sie bitte unser geschütztes Kontaktformular.