In meinem Berufsalltag als Bestatter in vierter Generation begegnen mir oft Menschen, die sich in einem starren Korsett aus Erwartungen und Paragrafen gefangen fühlen.
Kürzlich durfte ich ein Beratungsgespräch führen, das mich tief beeindruckt hat.
Es ging um die Planung für einen verstorbenen Vater – einen Künstler, der das Leben auf seine ganz eigene, bunte Weise liebte.
Der Wunsch der Tochter, nennen wir sie Frau Bergmann, war so simpel wie tiefgreifend:
Eine Feier, die sich nicht nach Friedhof anfühlt, sondern nach „Zuhause“.
Kein klassischer Butterkuchen, sondern ein buntes Buffet; keine starren Kränze, sondern ein lebendiges, gemeinsames Bild.
Ein aktiver Abschied der Gemeinschaft
Ein zentrales Element dieser Feier ist die Einbindung der Freunde und Weggefährten.
Statt passiv in den Bänken zu sitzen, wird die Gemeinschaft Teil der Inszenierung. Geplant ist, dass jeder Gast eine gelbe französische Tulpe mitbringt oder gereicht bekommt, um sie aktiv in eine Kranzgestell bei der Urne zu stecken.
So entsteht während der Zeremonie ein blühendes Kunstwerk – ein letzter gemeinsamer Gruß, der die künstlerische Seele des Verstorbenen widerspiegelt.
Die Sprache der Musik
Oft ist es die Musik, die den Kern eines Menschen am besten einfängt.
In diesem Fall ist es nicht der Klassiker „My Way“, sondern eine ganz spezifische Auswahl an Lieblingsstücken, die den Lebensweg des Vaters begleitet haben.
Diese Wunschmusik wird nicht nur im Hintergrund laufen, sondern ist fest in die Traueransprache integriert.
Die Melodien dienen als Ankerpunkte für die Erzählung seines Lebens und schlagen die Brücke zwischen den Worten der Rednerin und den Emotionen der Gäste.
Der Kampf um die Selbstbestimmung
Doch das Gespräch berührte auch einen Punkt, der mich als Initiator der Petition „Bestattungsfreiheit jetzt“ täglich umtreibt.
Frau Bergmann hat durch ihre Familie einen engen Bezug zu den Niederlanden.
Dort ist es selbstverständlich, die Urne nach der Feier mit nach Hause zu nehmen, um in vertrauter Umgebung in Ruhe über den endgültigen Verbleib entscheiden zu können.
In Deutschland stößt dieser tiefe menschliche Wunsch auf ein unerbittliches Gesetz. Dass Angehörige die Asche eines geliebten Menschen nicht für eine Zeit der inneren Einkehr bei sich behalten dürfen, empfinden viele als staatliche Bevormundung.
Wege in die Freiheit
In unserem Haus suchen wir nach legalen Wegen, um diesen Freiraum dennoch zu ermöglichen.
Durch die offizielle Überführung in die Niederlande können wir den Angehörigen die Zeit verschaffen, die sie in dieser Ausnahmesituation brauchen.
Es ist ein praktizierter Schritt in Richtung des „Bremer Modells“, für dessen Einführung wir leidenschaftlich kämpfen.
Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:
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