Die Nadel in der Furche

Warum kleine Fehler in der Trauer heilen können

Hallo, liebe Leser der Trauerkolumne,

 

kürzlich passierte uns im Büro ein klassisches Missgeschick: Ein Vorname in einer Kostenaufstellung wurde

falsch geschrieben. Aus einem „Udo“ wurde ein „Uwe“.

 

Mein erster Impuls war natürlich: „Oh weh, wie peinlich, gerade jetzt!“ Doch die Reaktion des Betroffenen war herrlich menschlich und brachte mich zum Nachdenken.

 

Ist es nicht so, dass wir in der tiefsten Trauer oft wie eine Festplatte sind, deren Nadel in einer Furche

feststeckt? Man kreist nur um sich selbst, um den Schmerz und die Leere. Und dann kommt da plötzlich ein

Tippfehler. Ein „Uwe“ statt ein „Udo“.

Ein Moment der Befreiung

 Für einen kurzen Augenblick springt die Nadel aus der Spur. Man lauert förmlich darauf, etwas im Außen zu

finden, auf das man reagieren kann. „Hurra, ich habe einen Fehler gefunden!“ – in diesem Moment ist man

für eine Sekunde abgelenkt vom eigenen Leid. Man tritt in Kontakt mit der Welt, schreibt eine E-Mail,

schmunzelt vielleicht sogar über die Unfähigkeit der Technik oder die „Wurstfinger“ des Gegenübers.

 

Toleranz als Signal

 

Diese kleinen Fehler sind eigentlich Signale der Menschlichkeit. Sie zeigen uns: Auf der anderen Seite sitzt

kein fehlerfreier Algorithmus, sondern ein Mensch, der auch mal danebengreift. Wenn wir lernen, darüber

hinwegzusehen oder es gar mit Humor zu nehmen, öffnen wir die Tür für Neues.

 

In der Trauer sind wir oft so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir den Blick für das Gegenüber verlieren.

Ein gemeinsamer kleiner Fehler – er hat sich verschrieben, wir haben uns verschrieben – schafft eine

Verbindung.

 

Es ist ein gemeinsames „Mensch-Sein“ in einer Zeit, die sich ansonsten oft so unmenschlich

schwer anfühlt.

Was wollen wir damit signalisieren?

Ist das Anbetung? Meistens wohl eher nicht. Es ist die Suche nach einer Symbolkraft, die größer ist als

unser alltäglicher Wortschatz. Wenn das normale „Wahnsinn“ nicht mehr reicht, muss eben der Schöpfer

herhalten. Diese Buchstaben haben eine gewaltige Resonanz – sie sind die emotionalen Ausrufezeichen

unserer Kultur.

Dankbarkeit für die Ablenkung

Vielleicht sollten wir dankbar sein für diese kleinen Stolpersteine.

 

Sie zwingen uns, den Kopf kurz zu heben

und festzustellen:

 

Das Leben da draußen geht weiter, mit all seinen charmanten Unvollkommenheiten. Ein

falsch geschriebener Name ist kein Weltuntergang, sondern eine Einladung zum Dialog.

 

Lassen wir die Nadel ruhig mal aus der Furche springen. Es ist der erste Schritt zurück ins Leben.

 

 

Herzlichst,

Der Trauerhahn

 

 

Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

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