„Oh Gott!“ – Wenn uns im Abschied die Worte fehlen

Haben Sie das auch schon erlebt? In einem Moment tiefer Verunsicherung oder wenn uns etwas „suspekt“ vorkommt, bricht es aus uns heraus: „Oh Gott!“ oder „Um Gottes Willen!“. Als Bestatter höre ich diese Ausrufe oft. Es ist die akustische Notbremse der Seele, wenn wir mit dem Unausweichlichen konfrontiert werden.

 

Dabei ist es paradox: Viele, die den Himmelsvater so lautstark anrufen, wissen im nächsten Moment gar nicht mehr, was sie da eigentlich sagen. Es ist eine Flucht in vertraute Floskeln, weil die eigene Sprache vor dem Tod oft versagt.

Halleluja ohne Inhalt?

Dieses Phänomen begegnet uns überall in der Bestattungskultur. In der Kirche wird plötzlich inbrünstig „Halleluja“ gesungen – weil es so „schön und feierlich“ klingt. Doch wer kennt die eigentliche Bedeutung hinter dem Text? Oft wird die Melodie zur reinen Fassade, ohne dass der Inhalt wirklich greifbar ist.

 

Noch deutlicher wird es bei der Musikauswahl. Der absolute Dauerbrenner ist Andrea Bocellis „Time to Say Goodbye“. Es klingt erhaben und rührt zu Tränen. Aber haben wir mal auf den Text gehört? In Wirklichkeit ist es ein Lied über das gemeinsame Aufbrechen, über eine Reise in die Ferne, die man zusammen antritt. Es hat inhaltlich wenig mit dem endgültigen Gehen eines Menschen zu tun, dem wir hier „Adieu“ sagen. Wir lassen uns von der Dramatik mitreißen und ignorieren die eigentliche Geschichte hinter den Noten.

Mehr Mut zur echten Auseinandersetzung

Warum tun wir das? Weil echte Worte schwer sind. Weil es einfacher ist, sich hinter einer gewaltigen Melodie oder einem religiösen Ausruf zu verstecken, als die Stille des Abschieds auszuhalten.

 

 

Als Familienunternehmen sehen wir unsere Aufgabe darin, hier Orientierung zu bieten. Wir möchten dazu anregen, den Abschied so zu gestalten, dass er wirklich zum Verstorbenen passt – und nicht nur eine schöne, aber inhaltslose Hülle bleibt. Manchmal ist ein ehrliches Schweigen oder ein Lied, das wirklich das Leben widerspiegelt, wertvoller als jedes falsch verstandene Halleluja.

 

Herzlichst,

 

Der Trauerhahn

Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

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