Systemrelevant? Nur wenn es brennt – oder wenn wir vergessen werden

Erinnern Sie sich noch an die Hochphase der Corona-Zeit? Der Alltag wurde bis ins kleinste Detail reglementiert: Wer wo wie lange sitzen durfte, welche Maske die richtige war und wann das Haus nicht mehr verlassen werden durfte. Doch eine Berufsgruppe wurde im deutschen Regelungswahn schlichtweg vergessen: wir Bestatter.

Juristisch war das eine Glanzleistung an Absurdität. Auf der einen Seite steht unsere Pflicht nach dem Bestattungsgesetz, Verstorbene zeitnah und würdevoll abzuholen. Auf der einen Seite gab es Ausgangssperren. Theoretisch hätten wir nachts gar nicht ausrücken dürfen, ohne ein saftiges Bußgeld zu riskieren. Wir waren „systemrelevant auf Abruf“, aber ohne den offiziellen Stempel in der Tasche.

 

Während andere Branchen klare Ansagen und Unterstützung bekamen, mussten wir in vielen Bundesländern erst mühsam Überzeugungsarbeit leisten. Wir mussten erklären, dass wir zur kritischen Infrastruktur gehören. Denn mal ehrlich: Was passiert in einer Millionenstadt wie Hamburg, wenn wir unsere Arbeit einfach mal für 24 Stunden ruhen lassen, weil wir laut Verordnung gerade „nicht existieren“?

 

Es ist genau diese mangelnde Klarheit und die Distanz zur Praxis, die uns antreibt. Ob es um die Anerkennung unserer täglichen Arbeit geht oder um unsere aktuelle Petition für die „Urne zu Hause“ – wir brauchen Gesetze, die sich an der Realität der Menschen orientieren und nicht am grünen Tisch entworfen werden.

 

Bestattungskultur darf kein starres Konstrukt aus der Kaiserzeit sein. Sie muss flexibel sein – auch in finanzieller Hinsicht. Wir sind für alle Menschen da, unabhängig vom Budget. Sollten die Mittel nicht ausreichen, sind wir erfahren im Umgang mit Sozialbestattungen, bei denen die Stadt die Kosten auf Antrag übernimmt. Zudem bieten wir mit der Seebestattung eine der günstigsten und zugleich naturverbundensten Formen des Abschieds an.

 

Wir kämpfen weiter für eine Gesetzgebung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und nicht die Bürokratie.

 

 

 

Der Trauerhahn

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

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