Die Anatomie des Geldes

Als die Bestattung noch umsonst war

Wenn ich in meinen Erinnerungen krame, stoße ich auf eine Ära, die heute fast unglaublich klingt. Viele Jahrzehnte lang waren wir in Hamburg Vertragspartner des anatomischen Instituts. Unsere Aufgabe war es, Menschen, die ihren Körper der Wissenschaft vermacht hatten, würdevoll ins Institut für Rechtsmedizin zu überführen.

Das „Geschenk“ an die Erben

Damals war die Welt der Sozialversicherungen noch eine andere. Es gab das gesetzliche Sterbegeld der Krankenkassen – ein schöner Betrag, je nach Versicherungstyp und Beihilfeberechtigung. Eigentlich war dieses Geld zweckgebunden: Es sollte die Bestattungskosten decken.

Doch bei einer Körperspende griff eine kuriose Mechanik: Die Anatomie übernahm nach Abschluss der wissenschaftlichen Untersuchungen die Bestattung auf einer würdevollen Anlage. Für die Angehörigen fielen oft gar keine Kosten an. Und was passierte mit dem Sterbegeld der Krankenkasse? Es wurde an die Erben ausgezahlt.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Man muss es so offen sagen

Viele Jahre lang floss dieses Geld in alles Mögliche – nur nicht in die Bestattung. Die Angehörigen strichen den Obolus ein, während das Institut die Kosten für die Beisetzung trug. Es dauerte erstaunlich lange, bis man „oben“ im Institut merkte: „Moment mal, eigentlich sind wir doch die Bestattungspflichtigen, uns steht dieses Geld zur Deckung der Kosten zu!“

 

Irgendwann wurde die Lücke geschlossen, aber kurz darauf kam der nächste Paukenschlag: Das Sterbegeld der Krankenkassen wurde komplett eingestampft.

Ehrlichkeit durch Vorkasse

Heute sieht die Welt anders aus. Die „Gratis-Bestattung“ durch Körperspende gibt es in dieser Form nicht mehr. Wer seinen Körper heute der Wissenschaft zur Verfügung stellen möchte, muss oft schon zu Lebzeiten einen Betrag hinterlegen, um die späteren Kosten abzusichern.

Ich erinnere mich, dass früher gefühlt viel mehr Menschen diesen Weg wählten – nicht immer nur aus Liebe zur Wissenschaft, sondern oft aus dem ganz pragmatischen (und sehr hanseatischen) Grund, die Bestattungskosten zu sparen.

Heute herrscht hier eine neue Form der Ehrlichkeit

Wer sich für diesen Weg entscheidet, tut es meist aus echter Überzeugung, denn finanziell ist es kein „Schnäppchen“ mehr.

Ich sage es ja nur mal

Es ist spannend zu sehen, wie sich Moral und Motivation ändern, sobald der Staat den Geldhahn zudreht.

Damals wie heute gilt

Ein würdevoller Abschied hat seinen Wert – egal, ob er in der Anatomie oder im Familiengrab endet. Da bin ich ja mal gespannt, welche Modelle sich die Bürokratie als Nächstes einfallen lässt.


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