Es ist Mitternacht. Während die Stadt schläft, verändert sich in einem Haus in der Nachbarschaft eine ganze Welt. Eine Ehefrau ist friedlich eingeschlafen. Der Ehemann bemerkt es sofort, der Arzt wird gerufen. Nur zwei Stunden später klingelt bei uns das Telefon. Der Sohn ist am Apparat – er möchte den Trauerfall melden, er möchte etwas tun, er möchte die Kontrolle in einer Situation behalten, die sich völlig unkontrollierbar anfühlt.
In diesem Moment beginnt ein Dialog, der viel mehr ist als reine Organisation. Es ist das vorsichtige Abstecken eines Weges in einer dunklen Nacht.
„War der Arzt schon da?“ – „Nein, er kommt in Kürze.“
Wir vereinbaren, dass man sich meldet, sobald die Formalitäten erledigt sind. Doch die Zeit in der Trauer dehnt sich. Zwei Stunden später der nächste Anruf: Der Arzt kommt nun doch erst am Vormittag.
Als Bestatter ist man in diesen Stunden nicht nur Dienstleister, sondern auch der Anker, der Ruhe ausstrahlt. „Gut, dann melden Sie sich am Vormittag. Wir sind da.“ Es gibt keinen Grund zur Eile. Das ist eine der wichtigsten Botschaften, die wir vermitteln können.
Als der Arzt schließlich da war, fragte ich nach dem Zeitpunkt der Überführung. Die Antwort war so menschlich wie nachvollziehbar: „Nicht vor heute Abend. Die Familie möchte sich hier, in der vertrauten Umgebung, noch verabschieden.“
Genau das ist der richtige Weg. Ein Mensch ist kein „Fall“, der sofort abtransportiert werden muss. Die Stunden am Sterbebett, im eigenen Zuhause, sind kostbar. Sie sind der erste Schritt der Begreifbarkeit. Wir planen dann gemeinsam, wir warten, wir geben dem Abschied den Raum, den er braucht. Dass keine Stunde später doch wieder das Telefon klingelt, zeigt nur, wie sehr die Angehörigen unter Hochspannung stehen.
Diese Erlebnisse aus meinem Alltag zeigen mir immer wieder: Ein guter Bestatter muss warten können. Er muss den Rhythmus der Familie akzeptieren. Ob es sich um eine aufwendige Begleitung handelt oder um eine schlichte Form des Abschieds – die Würde bemisst sich nicht an der Geschwindigkeit.
Auch wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind, etwa bei einer Sozialbestattung, bei der die Kosten nach Antragstellung von der Stadt übernommen werden können (sofern dem zugestimmt wird), oder bei einer preiswerten Seebestattung: Die Zeit für das letzte Gebet, das letzte Halten der Hand zu Hause, darf niemals eine Frage des Geldes sein. Ich bin für alle Formen der Sozialbestattung offen und unterstütze Sie dabei, den würdigsten Weg zu finden.
Wir sind bereit, wenn Sie bereit sind. Nicht früher, aber genau dann, wenn Sie uns brauchen.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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