Wenn ich heute in die Bibel schaue, in diese alten, gewaltigen Texte, lese ich etwas, das unser modernes Verständnis vom Leben fast auf den Kopf stellt. Da ist die Rede vom Paradies und von einem Ort, an dem jede Träne abgewischt wird. Wenn man diese Zeilen tief auf sich wirken lässt, entsteht ein radikaler Gedanke: Dass dieses Leben hier – in Fleisch und Blut, mit all seinen Mühen und körperlichen Lasten – gar nicht das Ende ist.
Manchmal habe ich das Gefühl: Das, was wir hier erleben, ist erst das Vorspiel. Das eigentliche, das wahrhaftige Leben beginnt erst dann, wenn die irdische Hülle ausgedient hat. Für einen gläubigen Menschen ist der Tod daher ein logischer, fast schon konsequenter Schritt nach vorn. Ein Übergang in die Freiheit.
Doch reden wir mal Tacheles: Diese Endlichkeit ist trotzdem verdammt schwer zu verdauen. Wir sind Menschen. Wir hängen an dem, was wir anfassen können – an den Geschichten, die wir gemeinsam geschrieben haben. Dass alles, was wir hier „wahrhaftig erlebt“ haben, ein Ende findet, löst eine ganz natürliche Angst aus. Das ist kein Mangel an Glauben, das ist unsere menschliche Natur.
Mir begegnet dieses Spannungsfeld in meinen Gesprächen oft auf eine ganz eigene Weise. Wenn es ernst wird, greifen viele zum Humor. Da wird gewitzelt: „Ach, mir ist das alles egal, ich geh’ eh in die Hölle, da kenne ich wenigstens die Leute!“ oder „Was soll ich im Paradies? Da ist es bestimmt langweilig.“
Dieser Galgenhumor ist ein wunderbares Werkzeug, um der Angst die Zähne zu ziehen. Es ist oft einfacher, über die Hölle zu scherzen, als über die tiefe Verunsicherung zu sprechen, die der Abschied auslöst.
Besonders makaber wird es, wenn in der Kirche verkündet wird: „Gott hat deinen Namen gerufen.“ Was als Gipfel des Trostes gedacht ist, lässt uns im ersten Moment schlucken. In der Welt des Humors würde die Antwort wohl lauten: „Hoffentlich hat er sich verwählt!“
Aber hinter diesem Bild steckt der Kern dessen, was ich heute glaube: Du bist keine Nummer. Du verschwindest nicht einfach im großen Nichts. Gott ruft dich beim Namen – nicht, um dich aus dem Leben zu reißen, sondern um dich in das „Eigentliche“ hineinzurufen. Es ist die Einladung zur Vollendung.
Vielleicht ist das die größte Kunst: Über das Makabre zu schmunzeln, das Leben im Hier und Jetzt mit jeder Faser zu genießen und gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass dieser letzte „Anruf“ kein Ende ist. In unserem Familienunternehmen, das nun seit über 150 Jahren Abschiede begleitet, sehen wir täglich: Das Buch des Lebens wird nach dem letzten Atemzug nicht zugeschlagen. Es fängt dann erst richtig an.
Egal, wie Sie diesen Übergang gestalten möchten – ob in einer feierlichen Zeremonie oder als schlichte Seebestattung: Der Respekt vor Ihrem Namen und Ihrer Geschichte bleibt. Auch bei einer Sozialbestattung, deren Kosten nach Antragstellung von der Stadt übernommen werden können, sorgen wir dafür, dass dieser letzte Weg mit Würde und dieser besonderen Hoffnung gegangen wird.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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