Es gibt Momente in meinem Berufsalltag, da stockt mir der Atem. Da bin ich nicht mehr der erfahrene Bestatter, der auf alles eine Antwort hat. Da bin ich einfach nur ein Mensch, fassungslos über die Härte, die das Leben – und manchmal auch unser System – bereithält.
Kürzlich erhielt ich einen Anruf. Eine junge Frau, die Stimme brüchig, aber entschlossen. Sie erzählte mir von ihrem Verlust in der achten Schwangerschaftswoche. Ein Abort, medizinisch gesehen. Eine Fehlgeburt, menschlich gesehen. In der Klinik sagte man ihr, es bestünde keine Bestattungspflicht. Das „Gewebe“ würde im Klinikum entsorgt – es sei denn, sie nähme es mit.
Sie nahm es mit. Was für das Krankenhaus eine biologische Tatsache war, ist für sie ihr Kind.
Doch nun begann das eigentliche Drama: Weil dieses kleine Leben noch nicht der gesetzlichen Bestattungspflicht unterliegt, fühlte sich kaum jemand zuständig. Die junge Frau wusste sich nicht anders zu helfen, als die sterblichen Überreste dort aufzubewahren, wo sie sicher schienen: in ihrem Kühlschrank. Dort wartete das kleine Wesen nun darauf, dass jemand ihm die Würde zugesteht, die es verdient.
Sie fragte mich: „Was ist möglich? Wie kann man dieses ‚Nichts‘, das für mich ‚Alles‘ war, würdevoll bestatten?“
Ich war einen Moment lang sprachlos. Nicht wegen der Frage, sondern wegen des Bildes in meinem Kopf. Eine trauernde Mutter, die ihr Kind neben den Lebensmitteln aufbewahren muss, weil unsere Bürokratie für diese Form der Trauer oft keinen Raum vorsieht.
In Deutschland gibt es zwar keine Bestattungspflicht für Sternenkinder unter 500 Gramm, aber es gibt ein Bestattungsrecht. Und genau hier setzen wir als Bestatter an. Es geht nicht um die Größe oder das Gewicht. Es geht um die Anerkennung eines Verlustes und die Validierung eines Schmerzes.
Wir haben einen Weg gefunden. Einen würdevollen Rahmen, ein kleines Grab, eine Zeremonie, die sagt: Du warst da. Du bleibst unvergessen. Egal, was starre Paragrafen sagen.
Als Familienunternehmen sehen wir es als unsere Pflicht, auch dort Halt zu geben, wo das System wegsieht. Niemand sollte mit seinem Verlust allein gelassen werden – erst recht nicht, wenn es um die kleinsten unserer Gesellschaft geht.
Wir unterstützen Familien auch bei der Klärung der Kostenübernahme durch soziale Träger, denn ein würdevoller Abschied darf niemals an finanziellen Hürden oder bürokratischen Unklarheiten scheitern.
Was denken Sie? Sollte das Bestattungsrecht für Sternenkinder bereits in den Kliniken proaktiver kommuniziert werden?
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:
Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.
Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.
Stellen Sie Fragen, die Sie schon immer einem Experten stellen wollten.
Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.
Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.
Wenn Sie unsere wöchentlichen Kolumnen, neuen Novellen und Informationen zu Themen wie dem „Bremer Modell“ oder praktischer Nachlasshilfe automatisch erhalten möchten, nutzen Sie bitte unser geschütztes Kontaktformular.