In meinem Berufsalltag begegnen mir oft Menschen, die sich in einem starren Korsett aus Erwartungen und Paragrafen gefangen fühlen. Kürzlich führte ich ein Beratungsgespräch, das mich tief beeindruckt hat. Es ging um die Planung für einen verstorbenen Vater – einen Künstler, der das Leben auf seine ganz eigene, bunte Weise liebte.
Der Wunsch der Tochter war so simpel wie tiefgreifend: Eine Feier, die sich nicht nach Friedhof anfühlt, sondern nach „Zuhause“. Kein klassischer Butterkuchen, sondern ein buntes Buffet; keine starren Kränze, sondern ein lebendiges, gemeinsames Bild.
Ein zentrales Element dieser Feier ist die Einbindung der Weggefährten. Statt passiv in den Bänken zu sitzen, wird die Gemeinschaft Teil der Inszenierung. Geplant ist, dass jeder Gast eine gelbe französische Tulpe mitbringt, um sie aktiv in ein Gestell bei der Urne zu stecken. So entsteht während der Zeremonie ein blühendes Kunstwerk – ein letzter gemeinsamer Gruß, der die kreative Seele des Verstorbenen widerspiegelt.
Oft ist es die Musik, die den Kern eines Menschen am besten einfängt. In diesem Fall ist es nicht der Klassiker „My Way“, sondern eine ganz spezifische Auswahl an Lieblingsstücken. Diese Wunschmusik wird fest in die Traueransprache integriert. Die Melodien dienen als Ankerpunkte für die Erzählung seines Lebens und schlagen die Brücke zwischen den Worten der Rednerin und den Emotionen der Gäste.
Doch das Gespräch berührte auch einen Punkt, der mich als Initiator der Petition „Bestattungsfreiheit jetzt“ täglich umtreibt. Die Familie hat einen engen Bezug zu den Niederlanden. Dort ist es selbstverständlich, die Urne nach der Feier mit nach Hause zu nehmen, um in vertrauter Umgebung in Ruhe über den endgültigen Verbleib entscheiden zu können.
In Deutschland stößt dieser tiefe menschliche Wunsch oft auf unerbittliche Paragrafen. Dass Angehörige die Asche eines geliebten Menschen nicht für eine Zeit der inneren Einkehr bei sich behalten dürfen, empfinden viele als staatliche Bevormundung.
In unserem Haus suchen wir nach legalen Wegen, um diesen Freiraum dennoch zu ermöglichen. Durch die offizielle Überführung in die Niederlande können wir Angehörigen die Zeit verschaffen, die sie in dieser Ausnahmesituation brauchen. Es ist ein praktizierter Schritt in Richtung des „Bremer Modells“, für dessen Einführung wir in Hamburg und Schleswig-Holstein leidenschaftlich kämpfen.
Wir sind überzeugt: Würdevolle Bestattungen müssen für jeden zugänglich sein. Daher sind wir offen für alle Sozialbestattungen und unterstützen Sie bei der Antragstellung zur Kostenübernahme durch die Stadt. Auch die Seebestattung bietet als unsere günstigste Form eine würdevolle Alternative zur traditionellen Grabstätte.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:
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