In meinem Alltag als Bestatter beobachte ich Entwicklungen, die mich manchmal schmunzeln lassen, oft aber nachdenklich stimmen. Wir leben in einer Zeit, in der alles optimiert und digitalisiert wird. Doch beim Sterben – diesem letzten, ur-menschlichen Akt – führt uns das oft in kuriose Widersprüche.
Es beginnt beim Abschied. Während wir in der realen Welt oft eine „haptische Flucht“ erleben – weg vom schweren, greifbaren Sarg, hin zur handlichen Urne –, explodiert die Trauer im Netz. In der Trauerhalle soll es oft schnell gehen, doch auf dem Smartphone wird das Profilbild zum digitalen Mahnmal. Wir schicken Emojis, während wir vor Ort die physische Konfrontation mit der Endgültigkeit meiden. Doch kann ein „Like“ wirklich den Trost spenden, den das Berühren des Holzes in der Stunde des Abschieds bietet?
Noch spannender wird es, wenn ich mir meine eigene Zunft anschaue. Früher war der Bestatter eine verlässliche, fast unsichtbare Instanz. Heute scheint es oft um maximale Selbstdarstellung zu gehen. Da wird die „Weiblichkeit“ oder andere persönliche Merkmale offensiv als Qualitätsmerkmal vorangestellt, als wäre Empathie eine Frage des Labels.
Wenn die Identität des Bestatters wichtiger wird als sein Handwerk, laufen wir Gefahr, dass aus einem ehrwürdigen Beruf ein Jahrmarkt der Selbstdarsteller wird. Wahre Kompetenz ist für alle da – nicht, weil man eine bunte Fahne schwenkt, sondern weil man das Handwerk und den Menschen beherrscht.
Ich erwische mich selbst oft dabei, unser Haus als „traditionell“ zu bezeichnen. Doch Tradition ist nicht altbacken. Für uns bedeutet sie ein Fundament aus über 150 Jahren Erfahrung. In 4. Generation gibt uns dieses Erbe die Freiheit, extrem tolerant und weltoffen zu sein. Souveränität und die Akzeptanz jedes Lebensentwurfs gehören seit 1872 zu unserer DNA.
Wenn Sie vor der Wahl eines Bestatters stehen, lade ich Sie ein: Vergleichen Sie. Kontaktieren Sie im Idealfall vier bis fünf Institute. Warum dieser Aufwand in einer emotionalen Ausnahmesituation? Weil ich immer wieder erlebe, dass Hinterbliebene im Nachhinein unzufrieden sind – sei es durch mangelnde Transparenz oder Abrechnungen, die böse Überraschungen bergen.
Ein Abschied darf kein bitteres Nachspiel haben. Wenn das Gefühl bleibt, übervorteilt worden zu sein, überlagert dieser Ärger die wertvolle Erinnerung. Trauer braucht Frieden – auch finanziellen Frieden.
Wahre Menschlichkeit bedeutet für uns auch, dass die Form der Bestattung zum Leben passt. Wir sind offen für alle Sozialbestattungen, bei denen die Kosten durch eine Antragstellung bei der Stadt übernommen werden können. Zudem ist die Seebestattung in unserem Haus die kostengünstigste Möglichkeit für einen würdevollen Abschied.
Manchmal ist das, was auf den ersten Blick „traditionell“ wirkt, am Ende die ehrlichste Form des modernen Handwerks.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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