Wenn Adebar klappert: Von der Hoffnung und dem Bleiben

Es ist April 2026, und mein Blick wandert heute besonders oft hinauf zu unserem Storchenmast. Seit gestern ist er wieder besetzt. Erst waren sie zu zweit, ein lautstarkes Geklapper erfüllte die Frühlingsluft – ein herrlicher Dialog der Natur. Heute sitzt er dort oben allein und hält Wacht.

 

In den letzten vier Jahren sind sie nie geblieben, trotz unseres Biotops, der Wiesen und der absoluten Ruhe hier am Fluss. Und jedes Jahr frage ich mich: Warum ziehen sie weiter? Was fehlt zum endgültigen Bleiben?

Der Bestatter als Nestbauer

Diese Beobachtung im Wechselspiel der Jahreszeiten lässt mich unweigerlich an meine tägliche Arbeit denken. Ein Nest zu bauen, einen Ort der Geborgenheit zu schaffen, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis – auch über das Leben hinaus. Wenn wir Abschied nehmen, suchen wir für unsere Lieben ebenfalls nach diesem „idealen Ort“.

 

Wir Menschen sind, genau wie die Störche, Reisende. Wir kommen an, wir bauen auf, und irgendwann müssen wir weiterziehen. Als Bestatter sehe ich mich oft als „Nestbauer“ für diesen letzten Weg. Mein Auftrag ist es, für die nötige Ruhe und den Schutz zu sorgen, damit Angehörige in Frieden trauern können – ungestört von der bürokratischen Kälte der Behörden.

Das Recht auf das eigene Nest

 

Dieses Bedürfnis nach Geborgenheit endet für viele nicht an der Friedhofsmauer. Es ist der Grund, warum ich mich mit unserer Petition „Bestattungsfreiheit jetzt: Urne zu Hause“ dafür einsetze, dass Familien das „Nest“ für die Asche ihrer Liebsten selbst wählen dürfen. Die Freiheit, einen geliebten Menschen im vertrauten privaten Umfeld zu wissen, ist für mich ein zutiefst menschlicher Akt der Liebe.

Würde ist keine Frage der Herkunft

Zur Hoffnung gehört für mich auch, dass jeder Mensch – unabhängig von seinen finanziellen Mitteln – einen würdevollen Abschied verdient. Deshalb sind wir für alle Sozialbestattungen offen. Wenn die Voraussetzungen vorliegen, begleiten wir Sie bei der Antragstellung, damit die Kosten von der Stadt übernommen werden. Auch unsere Seebestattungen bieten eine naturverbundene und preiswerte Möglichkeit, friedvoll „weiterzuziehen“.

 

Ob die Störche in diesem Frühjahr 2026 endlich brüten? Ich weiß es nicht. Aber das Klappern hat mir gezeigt: Die Hoffnung kehrt jedes Jahr zurück. Und solange wir diese Hoffnung haben – sei es auf neues Leben im Nest oder auf einen würdevollen Abschied –, macht unsere Arbeit einen tiefen Sinn.

 

 

Der Trauerhahn

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.

 

Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.

 

Stellen Sie Fragen, die Sie schon immer einem Experten stellen wollten.

 

Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.

 

Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.


Kommentare: 0

Wenn Sie unsere wöchentlichen Kolumnen, neuen Novellen und Informationen zu Themen wie dem „Bremer Modell“ oder praktischer Nachlasshilfe automatisch erhalten möchten, nutzen Sie bitte unser geschütztes Kontaktformular.