Leidenschaft gegen Dienst nach Vorschrift: Über den Wert echter Berufung

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Menschen, die einen Job bloß „machen“, und jenen, die ihn „erleben“. In meinem Beruf, in dem wir täglich an der Schwelle zwischen Leben und Tod stehen, wird dieser Unterschied besonders deutlich.

 

Echte Berufung bedeutet für mich, sich auch außerhalb der Arbeitszeit mit Fragen der Menschlichkeit auseinanderzusetzen. Nur wer das Leben in all seinen Facetten aufsaugt, kann es auch würdevoll in einen Abschied betten. Wer keine Erfüllung in seinem Tun findet, kann anderen keinen Trost spenden, der tiefer geht als eine einstudierte Floskel.

Von Vertrauensbruch und falschen Zahlen

 

In meiner Jugend im elterlichen Betrieb habe ich die Abgründe menschlicher Illoyalität erlebt. Mein Vater sah abends oft Licht im Büro brennen und glaubte stolz, sein Team arbeite an der Zukunft des Hauses. Die Realität war ein Skandal: Ein Teil der Einnahmen wurde systematisch auf Privatkonten umgeleitet. Sie betrogen das Unternehmen, das ihr Auskommen sicherte. Dieser Vertrauensbruch zeigt, wie essenziell ein integres Team für ein Bestattungshaus ist.

Von goldenen Radkappen und geistiger Windstille

Als ich später selbst Verantwortung übernahm, folgte eine Ära der puren Kreativität. Wir waren „verrückt“, besprühten Blumen blau und überraschten Hamburg mit einem weinroten Leichenwagen samt goldenen Radkappen. Wir hatten keine Angst vor dem Neuen.

 

Heute erlebe ich oft eine Art geistige Windstille. Wer etwas Neues wagt, erntet im Umfeld oft Schweigen oder Neid. Es scheint leichter, über Negatives zu spotten, als den Mut zur Veränderung zu feiern. Doch wer glaubt, dass ich deshalb resigniere, der irrt gewaltig.

Das Pulver ist noch lange nicht verschossen

Mir geht die Energie nicht aus. Diese Kolumnen sind kein Ausklang, sondern erst der Anfang. Mein Ziel ist es, diese Gedanken und Geschichten in die digitale Welt zu tragen, bis unsere Botschaft der Menschlichkeit unüberhörbar bleibt. Dazu gehört auch unser unermüdlicher Einsatz für zeitgemäße Veränderungen:

  • Bestattungsfreiheit: Mit unserer Petition „Urne zu Hause“ kämpfen wir für das Recht, den Ort des Gedenkens selbst zu bestimmen – fernab von bürokratischer Bevormundung.

  • Soziale Verantwortung: Würde ist keine Frage des Geldbeutels. Wir sind offen für alle Sozialbestattungen und unterstützen Sie bei der Kostenübernahme durch die Stadt.

  • Seebestattung: Als naturverbundene und zugleich unsere kostengünstigste Bestattungsform bietet sie einen freien Horizont für die letzte Reise.

Innovation bedeutet, Präsenz zu zeigen, wo andere schweigen. Wir werden den Horizont erweitern – denn am Ende zählt die Gewissheit, seinen Beruf mit ganzer Hingabe ausgefüllt zu haben.

 

 

Der Trauerhahn

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.

 

Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.

 

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Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.

 

Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.


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