Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die man sich als Bestatter beim besten Willen nicht ausdenken kann. Da sitzt man am frühen Morgen bei einer Tasse Kaffee, öffnet die Google-Bewertungen und erwartet – wie gewohnt – die herzlichen Worte der Familien, die wir begleiten durften. Und dann das: Ein einsamer Stern leuchtet mir entgegen, gefolgt von einem Text, der sich liest wie ein kleiner Weltuntergang.
Von „Schmierpapier“, „Rechtschreibfehlern“ und „überraschenden Kosten“ war da die Rede. Dazu die Schilderung einer Trauerfeier an einem Sonntag auf einem Hamburger Friedhof mit einem namentlich genannten Priester.
Ich stutzte. Ein Sonntag? In Hamburg? Wer mich kennt, weiß: In unserem Familienunternehmen, das nun seit 1872 in der vierten Generation besteht, herrscht Ordnung. Wir dokumentieren jeden Schritt, jedes Gespräch und jede Kerze. Doch diesen Fall gab es in meinen Akten nicht. Weder den Priester noch das Datum – und schon gar nicht das beschriebene Chaos.
Die Auflösung des Rätsels war so simpel wie kurios. Es war ein klassisches „Finde den Fehler“-Bild. Mein Name ist Hahn – fest verwurzelt im Norden. Bei dem Kollegen, der diese besagte Trauerfeier tatsächlich durchgeführt hatte, fehlt in der Schreibweise jedoch ein ganz entscheidender Buchstabe.
Aus dem „Hahn“ wurde in der Wahrnehmung der verärgerten Kundin wohl ein anderes Wesen, und schwups – landete der Zorn der Dame im falschen Nest.
Man könnte sich nun furchtbar aufregen. Man könnte sich ärgern, dass die jahrelange Arbeit an unserem hohen Bewertungsschnitt durch eine Verwechslung kurzzeitig angekratzt wird. Aber wissen Sie was? Ich betrachte das mit Abstand und einem Schmunzeln.
In der Trauer sind Gefühle oft wie ein aufgewühltes Meer. Da kann es passieren, dass man im Nebel der Emotionen den Namen auf dem Briefkopf nicht mehr ganz scharf sieht. Es zeigt mir aber auch: Unser Name ist in Hamburg so präsent, dass man bei „Bestattung“ oft automatisch an uns denkt – selbst wenn man eigentlich gerade bei jemand anderem unzufrieden ist.
Wir haben die Sache sachlich geklärt und die Löschung der fälschlich zugeordneten Bewertung veranlasst. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein echter Hahn lässt sich durch ein fehlendes „H“ beim Nachbarn nicht aus der Ruhe bringen.
Wir machen weiter wie bisher – mit Herz, Verstand und orthografisch korrekten Papieren. Denn Qualität erkennt man eben nicht nur am Namen, sondern daran, dass die Arbeit hält, was der gute Ruf verspricht.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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