Ich platze gleich. Wirklich. Was ich kürzlich in einer Reportage über eine internationale Bestattungsfachmesse sehen musste, hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Was dort unter dem Deckmantel von „Innovation“ und „Kundenwünschen“ präsentiert wurde, spottet jeder Beschreibung und lässt mich an der Ernsthaftigkeit vieler meiner Kollegen zweifeln.
Vergessen Sie Pietät. Vergessen Sie stille Würde. Vergessen Sie den sensiblen Umgang mit Schmerz und Trauer. Was dort geboten wurde, war ein vulgärer Exzess, ein hysterischer Schrei nach Aufmerksamkeit, der mehr an eine Tuning-Messe oder eine Auto-Show erinnerte.
Da glänzten hochglanzpolierte Luxuskarossen um die Wette, verchromt bis zur Schmerzgrenze, Silber an jeder Ecke. In den Innenräumen? Ein Meer aus LED-Lichtern und Bling-Bling, als ob der letzte Weg eine Disco-Fahrt sein sollte.
Wer braucht einen schlichten Sarg, wenn man ihn in einem futuristischen Transporter präsentieren kann, der aussieht, als käme er direkt vom Set eines Science-Fiction-Films?
Und das absolute Highlight des Wahnsinns: Ein Motorrad-Gespann. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ein Motorrad mit einem Beiwagen, der einen Glassarkophag trug. Darin, wie auf dem Präsentierteller: Ein hochglänzender Sarg. Alles an diesem Anblick schrie: „Schaut mich an, ich bin hier wer!“
Aber es waren nicht nur die Fahrzeuge. Die gesamte Inszenierung war widerlich. Hostessen in schrillen Outfits reichten Champagner aus, als ob wir hier eine Party feiern würden und nicht über den letzten Weg eines geliebten Menschen sprechen. Es war eine einzige, große Verharmlosung des Todes, ein „Hauptsache tot, irgendwie hurra hurra“-Spektakel.
Und da drängt sich mir ein ganz übler Gedanke auf: Machen diese Bestatter ihren Job eigentlich aus Berufung? Stehen für sie die Trauer, der Schmerz, die psychologische Begleitung der Hinterbliebenen im Vordergrund? Oder geht es hier nur um die pure Lust an der Selbstdarstellung? Es scheint, als ob viele Kollegen ihren Beruf nicht mehr als Dienst am Menschen, sondern als Plattform für ihr eigenes Ego missverstehen.
Vielleicht muss ich umdenken. Sollte ich unsere Fahrzeuge demnächst vielleicht in Altrosa mit Samtbezug präsentieren? Oder wie wäre es mit einem riesigen, goldenen Hahn in 3D-Optik auf der Motorhaube? Nach dem Motto: Um jeden Preis auffallen, koste es, was es wolle. Auch die Würde des Augenblicks. Ich bin fassungslos. Einfach nur fassungslos.
Der Trauerhahn.
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