Die Post ist weg, der Opa noch da

 Man sagt ja, der Tod sei das Einzige, was im Leben sicher ist. Was man in Norddeutschland allerdings hinzufügen muss: Er ist auch verdammt termingebunden. Wer glaubt, man könne in Ruhe Abschied nehmen, hat die Rechnung ohne das Bestattungsgesetz und die deutsche Logistik gemacht. Wir befinden uns in einem bizarren Wettlauf zwischen „Amtsschimmel“ und „Schneckenpost“.

Der Norden im Fristen-Check

 

Schauen wir uns das Regelwerk an: In Hamburg und Schleswig-Holstein ist man noch vergleichsweise „entspannt“ – hier bleiben oft bis zu zehn Tage Zeit für die Beisetzung. Aber in Niedersachsen? Da wird es sportlich. Acht Tage. Wer da am Freitagabend verstirbt, hat quasi schon das erste Viertel der Frist verloren, während die Friedhofsverwaltung noch den Wochenend-Kaffee genießt. In Niedersachsen scheint der erhobene Zeigefinger der Verwaltung fest am Schreibtisch montiert zu sein.

 

„Gesetz ist Gesetz“, schallt es durch die Kapellen. Während man in Hamburg manchmal das Gefühl hat, es würde niemanden jucken, wenn man den Sarg im Lastenrad zum Friedhof fährt, wird südlich der Elbe mit der Stoppuhr gewacht.

Post-Chaos trifft auf Paragrafen-Reiter

 

Und jetzt kommt der eigentliche Irrsinn: Die Kommunikation. Wir leben im Jahr 2026. Wir können Pizza per App bestellen und zum Mars fliegen, aber Trauerpost wird immer noch per Brief verschickt. Warum? „Weil man das so macht.“

 

Doch halt! Die Post heißt jetzt gefühlt überall nur noch DHL-Brief-Zustell-Irgendwas, und in manchen Vierteln sieht man den Postboten seltener als einen Lottogewinn. Wenn ich am Montag die Einladungen für die Trauerfeier nächste Woche einwerfe, kommen die mit viel Glück am Tag nach der Beerdigung an. Ein Klassiker: „Ach, war der Opa gestern schon dran? Die Karte kam gerade eben!“

Der „Tourismus“ der Toten

Was macht der findige Bestatter also, wenn die Zeit nicht reicht und der Abschiedswunsch der Angehörigen mehr Raum braucht, als das niedersächsische Gesetz zulässt? Er schickt den Verstorbenen auf Reisen.

 

Es ist die wohl absurdeste Form des Tourismus: Einmal kurz über die Landesgrenze, das Bundesland wechseln, und – Simsalabim – schon gelten andere Fristen oder Möglichkeiten. Man verlässt Niedersachsen als Problemfall und kehrt nach einem kurzen „Urlaub“ als genehmigungsfähiger Abschiedsrückkehrer zurück. Ein bürokratischer Zaubertrick, nur weil die Verordnungen so altmodisch sind, dass sie vermutlich noch mit Federkiel geschrieben wurden.

Fazit: Würde braucht Weile

Es ist ein Paradoxon: Wir wollen eine würdevolle Bestattung, halten aber an Fristen fest, die aus einer Zeit stammen, als man Verstorbene noch schnell unter die Erde bringen musste, bevor die Kühlung (oder das Fehlen derselben) zum Problem wurde.

 

Heute ist die Kühlung modern, aber die Zustellung der Briefe mittelalterlich. Vielleicht sollten wir die Bestattungsgesetze mal an die Realität anpassen – oder der Post Flügel verleihen. Bis dahin bleibt uns wohl nur der „Grenztourismus“ und die Hoffnung, dass die Verwandtschaft WhatsApp schneller bedienen kann als den Briefkastenschlüssel.

 

 

Der Trauerhahn.

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

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