Es war einer dieser Momente bei einem Geburtstagsessen, in denen die Weltanschauungen so hart aufeinandertreffen wie Besteck auf Porzellan. Mir gegenüber saß ein Pastor, und wir kamen vom Hundersten ins Tausendste. Schließlich landeten wir bei dem geplatzten Plan der Bundesregierung und der Opposition, eine freiwillige, steuerfreie Sonderzahlung von 1.000 Euro für Arbeitnehmer zu ermöglichen.
Ich verhehle nicht, dass mich das Scheitern dieser Initiative im Bundestag erschüttert. Da wird erst eine enorme Vorfreude geweckt, und dann wird das Projekt kassiert, weil Länder und Handwerksverbände mahnten, dass sich das „nicht alle leisten könnten“.
Das Argument des Pastors war prompt: Es sei ungerecht, wenn nur einige profitieren. Meine Erwiderung fiel deutlich aus: In einer Demokratie mit marktwirtschaftlichen Regeln gibt es nun einmal Unterschiede. Nicht jeder kann fünfmal im Jahr in den Urlaub fahren oder ein Haus mit Pool besitzen. Aber soll man deshalb denen, die bereit sind zu geben, den Riegel vorschieben?
Die Freiwilligkeit war der Kern! Wer kann, der tut es. Wenn der Staat den rechtlichen Rahmen für Steuer- und Abgabenfreiheit nimmt, bewirkt er nur eines: Das Geld bleibt beim Arbeitgeber geparkt. Es generiert Zinsen, statt als Kaufkraft direkt in die Wirtschaft zu fließen. Davon hat der Staat am Ende gar nichts.
Die Krönung des Gesprächs war jedoch der Ratschlag, ich könne die 1.000 Euro ja „trotzdem“ einfach auszahlen – dann eben mit vollen Sozialabgaben und Steuern. Ein klassischer Vorschlag von jemandem, dessen Gehalt nicht aus aktiver, marktwirtschaftlicher Leistung generiert wird, sondern aus einem gesicherten System fließt.
Wer so redet, ignoriert die Realität: Um einem Mitarbeiter 1.000 Euro netto „einfach so“ zukommen zu lassen, muss ich als Unternehmer fast 2.000 Euro aufwenden. Der Staat würde an meiner Großzügigkeit durch die Lohnnebenkosten sogar noch kräftig mitverdienen.
Es ist eine Enttäuschung für die Arbeitnehmer und ein Misstrauensvotum gegen jene Arbeitgeber, die Verantwortung übernehmen wollen. Wenn politische Vorsicht dazu führt, dass Motivation und Kaufkraft im Keim erstickt werden, haben wir als Gesellschaft eine Chance vertan. Sprachlosigkeit ist hier eigentlich noch die höfliche Form der Antwort.
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