Haben Sie in letzter Zeit auch diese Hochglanz-Werbung für Luxusautos gesehen? Da wird in zeitlupenhaften Aufnahmen von glänzendem Lack, Champagner-Kelchen und Manufaktur-Details geschwärmt – während ich hier im Juni 2026 sitze, meinen Taschenrechner quäle und mich frage, wie wir bei steigenden Zinsen und auslaufenden Treibstoffrabatten die Bestattung für die Familie Schulze nächste Woche noch fair kalkuliert bekommen.
Manchmal hat man den Eindruck, einige Branchen haben den Kontakt zum Asphalt komplett verloren. Warum sollen wir in vierter Generation immer nur die „Nahbaren“ sein? Vielleicht sollten wir auch auf die High-End-Strategie umschwenken!
Ab sofort ist unser neues Leitprodukt die „Adenauer-Exzellenz-Truhe“. Wir lassen den Sarg nicht mehr einfach nur aus Holz fertigen, nein, wir lassen ihn in einem geheimen Keller veredeln mit Materialien, die vorher nur in den Palästen der Welt zu finden waren. Wir lackieren ihn in „Chancellor Black“, polieren die Griffe, bis sie blenden wie der Kühlergrill einer rollenden Luxus-Limousine, und legen das Innere mit Seide aus, die teurer ist als mein erster Dienstwagen.
Wer braucht schon Sozialbestattungen, wenn man auch den „Grand Prix der Ewigkeit“ haben kann? Wenn der Kunde dann nach dem Preis fragt, antworte ich natürlich nicht mehr mit einer transparenten Kalkulation. Ich sage dann mit einem arroganten Lächeln: „Wenn Sie nach dem Preis fragen müssen, haben Sie das Konzept der Unendlichkeit noch nicht ganz durchdrungen.“
Verstehen Sie mich nicht falsch – wenn ich mir das so vorstelle, kann ich selbst nur noch den Kopf schütteln. Während sich manche Hersteller in ihre goldenen Paralleluniversen flüchten, fragen sich unsere Familien am Küchentisch, wie sie den Alltag bei den aktuellen Kosten stemmen sollen.
Diese Diskrepanz ist bizarr: Auf der einen Seite eine Welt, die sich in Werbespots in Luxus-Phantasien verliert, und auf der anderen Seite die Realität, in der wir uns bewegen. Wir bleiben bei unserer „Adenauer-Truhe der Realität“. Das heißt für uns: Kein unnötiger Schnickschnack, keine Preisspielchen im Luxusolymp, sondern ein ehrlicher Preis für ein würdiges Handwerk.
Vielleicht ist das der wahre Luxus im Jahr 2026: Dass man beim Bestatter nicht in eine vergoldete Falle tappt, sondern mit Anstand und Bodenhaftung behandelt wird. Ein würdevoller Abschied braucht kein Gold – er braucht Menschen, die verstehen, wo man herkommt und wo man steht.
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:
Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.
Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.
Stellen Sie Fragen, die Sie schon immer einem Experten stellen wollten.
Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.
Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.
Wenn Sie unsere wöchentlichen Kolumnen, neuen Novellen und Informationen zu Themen wie dem „Bremer Modell“ oder praktischer Nachlasshilfe automatisch erhalten möchten, nutzen Sie bitte unser geschütztes Kontaktformular.