Öffnungszeiten und die 24/7-Realität im Bestattungswesen.

Sonntagsruhe? Gern! Dann bleibt Opa eben bis Montag liegen.

Ein Kommentar zur Debatte um Ladenöffnungszeiten aus der Sicht eines 24/7-Dienstleisters.

 

Stellen Sie sich vor, es ist Sonntagnachmittag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, und die Nation befindet sich kollektiv im Modus der „seelischen Erhebung“. Nur bei Ihnen im Haus ist gerade jemand verstorben.

 

Sie greifen zum Hörer, rufen Ihren Bestatter an und hören … die Mailbox:

 

 „Guten Tag! Sie rufen außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Gemäß dem heiligen Sonntagsschutz und im Sinne der Work-Life-Balance haben wir heute geschlossen. Wir sind am Montag ab 08:30 Uhr wieder für Sie da.

Bitte kühlen Sie den Verstorbenen bis dahin eigenständig. Wir wünschen einen besinnlichen Sonntag!“

Der Tod kennt keine Gewerkschaft

Klingt völlig irre? Ist es auch. Während sich Politik, Kirchen und Gewerkschaften leidenschaftlich darüber streiten, ob eine Boutique in der Innenstadt sonntags drei Stunden lang Socken verkaufen darf, können wir in der Bestattungsbranche über den Begriff „Feierabend“ nur müde lächeln.

 

Der Tod hält sich nicht an die Bäderregelung. Er fragt nicht, ob gerade ein gesetzlicher Feiertag ist oder ob der Bestatter eigentlich gerne mit seiner Familie am Kaffeetisch sitzen würde.

 

Wir rücken aus, wenn wir gerufen werden. Nachts um drei oder am Ostersonntag.

 

Das ist unser Ethos, unsere Pflicht und – ganz ehrlich – auch unser Stolz als Familienunternehmen.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Arbeit

Es ist schon paradox: Die Gastronomie, Kinos, Hotels, Kliniken und wir Bestatter kennen keinen Sonntag. Wir halten den Laden am Laufen, während der Rest der Wirtschaft per Gesetz zur Unbeweglichkeit verdammt wird. Warum trauen wir den Geschäftsleuten und ihren Angestellten heutzutage eigentlich nicht mehr zu, selbst zu entscheiden, wann sie arbeiten wollen?

 

Besonders skurril wird es, wenn unser 24/7-Einsatz auf die Wand der Bürokratie trifft. Wir sind bereit, aber die Friedhofsverwaltungen oder Standesämter sind oft verrammelt.

 

Da wird die Sonntagsruhe noch so richtig zelebriert, was Abschiedsprozesse unnötig verzögert und den Druck auf die Angehörigen erhöht.

Was wäre, wenn wir mal streiken würden?

Eigentlich müssten wir Bestatter uns mal solidarisch zeigen mit dem strengen Sonntagsschutz.

 

Wir lassen das Telefon einfach aus. Keine Abholungen am Wochenende, keine Beratungsgespräche am Sonntagvormittag. „Sorry, wir schützen heute unsere seelische Erhebung. Melden Sie sich morgen wieder.“

 

Der Aufschrei wäre gigantisch. „Wie können Sie nur!“, würde es heißen. „Das ist doch pietätlos!“

 

Aha. Es ist also pietätlos, wenn der Bestatter nicht sofort kommt, aber es ist völlig legitim, dem Einzelhändler zu verbieten, für seine Kunden da zu sein?

 

Es ist okay, dass Pflegekräfte und Köche rotieren, während der Staat beim Buchhändler den moralischen Zeigefinger hebt?

Zeit für ein Update

Die Welt dreht sich weiter – auch am Sonntag.

 

Wenn wir als Gesellschaft verlangen, dass die „kritische Infrastruktur“ immer funktioniert, dann sollten wir auch aufhören, den Rest der Wirtschaft wie im Jahr 1950 zu gängeln.

 

Wir Bestatter werden auch nächsten Sonntag wieder losfahren. Weil wir es können und weil wir es wollen. Aber ein bisschen weniger Scheinheiligkeit bei der Debatte um die Sonntagsöffnung stünde uns allen gut zu Gesicht.

 

Wenn das Geldverdienen am Wochenende für manche schon als „Irrsinn“ gilt, dann ist unsere ständige Bereitschaft wohl purer Idealismus.

In diesem Sinne:

Wenn der Tod zum Preisschlager wird, sollten wir uns fragen: Hat das noch etwas mit Würde zu tun oder ist das reiner Kommerz?

 

Wenn ein Grabplatz weniger kostet als ein Satz neuer Autoreifen, dann suggeriert das: „Hauptsache weg, Hauptsache billig.“ Die Friedhofsverwaltung wird zum Discounter.

 

Doch ein Friedhof sollte kein Ort für „Geiz ist geil“-Mentalität sein, sondern ein Ort der Beständigkeit.

Einen schönen (und vielleicht mal nachdenklichen) Sonntag!


Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

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