Wenn der Kompost in den Sarg muss: Hand aufs Herz, warum bleibt die Bürokratie so starr?

 

Haben Sie schon mal versucht, eine gute Idee in einer deutschen Amtsstube abzugeben? Ich habe es gewagt. Als Bestatter in 4. Generation bin ich einiges gewöhnt, aber die jüngste Antwort-Welle der Hamburger Friedhofsverwaltungen zum Thema Reerdigung war selbst für mich eine filmreife Erfahrung.

Warum herrscht in unseren Friedhofsverwaltungen das große Schweigen?

 

Wir haben nachgehört: Wie halten es die Verwaltungen mit der Reerdigung? Gibt es Offenheit für neue Wege? Die Reaktionen waren so herzlich wie eine Tiefkühlpizza im Winter. Knappe Absagen, Verweise auf die Satzung und ein Tonfall, der förmlich nach Feierabend schrie. Empathie scheint in manchen Büros leider kein Standard-Inventar zu sein. Man hat das Gefühl, Innovation wird hier eher als Störung der wohlverdienten Mittagspause betrachtet.

Welcher Geniestreich erreichte uns von der anderen Elbseite?

Ein Friedhof signalisierte immerhin: „Ja, Reerdigung geht bei uns!“ Ich atmete auf, doch dann kam das „Aber“, das mich fast vom Stuhl geholt hätte: Das durch den Prozess entstandene Substrat – also feinster, fruchtbarer Humus – darf zwar beigesetzt werden, aber bitteschön nur in einem Holzsarg.

 

Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Da entscheidet sich jemand ganz bewusst gegen die klassische Bestattung und gegen das Feuer, wählt den hochmodernen Weg der Transformation zu Erde – und am Ende wird dieser Humus in eine schwere Holzkiste gepackt, damit die Gebührenordnung wieder stimmt. Muss wohl die Logik sein: „Wir wollen ja nicht, dass die Erde sich ohne Stempel vermischt!“

Wo liegt der Widerspruch zwischen Leinentuch und Sargzwang?

 

Werfen wir einen Blick auf die Nachbargräber: Auf vielen Hamburger Friedhöfen sind muslimische Bestattungen längst gelebte Praxis – und zwar völlig sarglos, nur im Leinentuch. Das ist ein wunderbares Zeichen für religiöse Toleranz. Aber halten Sie sich fest: Wenn es um die Reerdigung geht, bei der am Ende nur noch friedliche Erde übrig bleibt, pocht man plötzlich auf das „Sargbehältnis“. Der Körper im Leinentuch darf direkt in die Erde, aber der transformierte Humus braucht eine Holzkiste, damit die Verwaltung keine Schnappatmung bekommt? Das zeigt deutlich: Es geht nicht um Pietät, sondern um ein krampfhaftes Festhalten an alten Rhythmen.

Welche Fortschritte machen wir dennoch für die Bestattungsfreiheit?

 

Trotz des Schmunzelns über den „Sargzwang“ ist es ein kleiner Sieg. Für Menschen, die sich vor der Feuerbestattung gruseln, ist dieser Kompromiss immerhin eine Tür, die einen Spalt breit offen steht. Es zeigt aber auch, wie weit wir noch von einer echten Bestattungsfreiheit entfernt sind. Wir bleiben dran – ich warte aktuell gespannt auf die Antwort vom Parkfriedhof Ohlsdorf.

Wie stehen wir Ihnen bei individuellen Wünschen zur Seite?

Egal, ob Sie moderne Wege wie die Reerdigung prüfen oder Unterstützung bei klassischen Formen benötigen, wir sind an Ihrer Seite:

  • Wie unterstützen wir bei finanziellen Engpässen? Wir sind offen für alle Sozialbestattungen. Die Kosten können nach Antragstellung von der Stadt übernommen werden, wenn dem zugestimmt wird.

  • Welche würdevollen Alternativen gibt es? Wir beraten Sie transparent – auch zu Seebestattungen, die eine naturnahe und kosteneffiziente Form der Beisetzung darstellen.

  • Wie kämpfen wir für Ihre Wünsche? Wir setzen uns als Bestatter für Innovationen ein, damit Ihr letzter Wunsch nicht an veralteten Satzungen scheitert.

Den Humor lasse ich mir von keiner Satzung der Welt nehmen – ich halte Sie auf dem Laufenden.

Wenn Sie Fragen zu modernen Bestattungsformen oder Hilfe bei einer aktuellen Planung benötigen, finden Sie alle Informationen auf unserer Homepage.

 

 

Der Trauerhahn.


Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

Teilen Sie Ihre Gedanken zu unseren aktuellen Kolumnen-Themen.

 

Diskutieren Sie mit uns über die Petition zur Bestattungsfreiheit und das 'Bremer Modell'.

 

Stellen Sie Fragen, die Sie schon immer einem Experten stellen wollten.

 

Wir laden Sie herzlich ein, Ihre Kommentare, Erfahrungen und Anregungen hier zu hinterlassen.

 

Wir freuen uns auf einen respektvollen, mutigen und ehrlichen Dialog mit Ihnen.


Kommentare: 0

Wenn Sie unsere wöchentlichen Kolumnen, neuen Novellen und Informationen zu Themen wie dem „Bremer Modell“ oder praktischer Nachlasshilfe automatisch erhalten möchten, nutzen Sie bitte unser geschütztes Kontaktformular.