Es gibt Momente in meinem Beruf als Bestatter, da bleibt die Welt für einen Herzschlag lang stehen.
Heute Morgen war so ein Moment. Ein Anruf, eine Stimme, die vor Schmerz fast bricht: „Um 15:00 Uhr werden die Geräte abgeschaltet. Danach brauchen wir Ihre Hilfe.“
Man schaut auf die Uhr. Man sieht die Zeiger wandern und weiß: In wenigen Stunden, in wenigen Minuten, wird ein Leben erlöschen.
Nicht schleichend, nicht überraschend, sondern auf die Sekunde genau terminiert. Dieser „Tod auf Termin“ ist eine der größten emotionalen Herausforderungen, die man sich vorstellen kann – für die Angehörigen, aber auch für uns, die wir danach die Hand reichen sollen.
Normalerweise ist der Tod ein Dieb, der ungefragt kommt, oder ein langer Abschied, der irgendwann sein Ende findet. Doch wenn die Medizin entscheidet, dass die Kraft der Maschinen nicht mehr ausreicht, um das Leben zu halten, entsteht ein Vakuum.
Wie geht man damit um? Wie spendet man Trost, wenn man weiß, dass die Trauernden gerade auf die Uhr schauen und zusehen, wie die letzte Frist abläuft? Es gibt in diesen Momenten keine „richtigen“ Worte. Jeder Satz wirkt zu klein für die Wucht dieses Augenblicks.
n solchen Situationen ist unser Spagat extrem: Wir müssen professionell vorbereitet sein, während wir innerlich zutiefst erschüttert sind. Wir können den Schmerz nicht wegnehmen.
Wir können nur signalisieren: Wir sind da.
Wir halten den Raum aus. Wenn wir den Angehörigen Kraft wünschen, ist das kein Floskel-Satz. Es ist die Hoffnung, dass sie in der Stille nach dem Abschalten der Geräte die Liebe spüren, die bleibt.
Es ist das Wissen, dass jetzt der Moment ist, in dem die Zeit keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch das Innehalten.
Es ist eine Form der Hilfe, die wir leisten, die weit über das Organisatorische hinausgeht. Es ist das Aushalten dieser unglaublichen Endgültigkeit.
Wenn das Leben endet, weil es der einzige Weg ist, um weiteres Leiden zu verhindern, dann ist das ein Akt der Liebe – aber einer, der das Herz der Hinterbliebenen zunächst zerreißt.
Wir stehen bereit. Nicht als Dienstleister, sondern als Menschen, die diesen dunklen Termin mitwürdigen.
In tiefer Betroffenheit blicken wir auf diese Stunde und hoffen, dass die Stille danach irgendwann zu Frieden werden kann.
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Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
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