Manchmal ist der Tod nicht das Ende der Bürokratie, sondern ihr Startschuss.
Ein geliebter Mensch verstirbt im Krankenhaus. In der Trauer steht die Welt still. Doch während für die
Angehörigen die Zeit eingefroren scheint, läuft im Hintergrund eine gnadenlose Stoppuhr.
In einer Metropole wie Hamburg ist der Tod streng getaktet. Wer glaubt, man habe Tage Zeit, um sich in
Ruhe für einen Bestatter zu entscheiden, während der Verstorbene im Krankenhaus „wartet“, irrt gewaltig.
Nach spätestens 36 Stunden greift das Gesetz – kühl, effizient und unnachgiebig.
Wenn innerhalb dieser kurzen Frist kein Bestatter die Überführung angemeldet hat, übernimmt die Stadt.
Das Krankenhaus ruft den Vertragsbestatter, und der Verstorbene wird in die öffentliche Ruhehalle
überführt. Oft erfahren die Angehörigen davon erst Tage später durch einen Briefkopf, der für Herzrasen
sorgt: „Krematorium Hamburg“.
Dahinter steckt jedoch meist noch keine Einäscherung, sondern eine saftige Gebührenrechnung für die
„Zwischenlagerung“. Der Staat geht in Vorleistung, und das lässt er sich bezahlen. Aufnahmegebühr,
Kühlpauschale, Transportkosten – ein unfreiwilliges „Check-in“, das die Hinterbliebenen hunderte Euro
kostet, noch bevor die eigentliche Trauerfeier überhaupt geplant ist.
Noch komplexer wird es, wenn die Polizei oder das Landeskriminalamt (LKA) involviert sind. Sobald ein
Verstorbener in die Rechtsmedizin am UKE kommt, wird es juristisch. Die Angehörigen warten oft
verzweifelt auf die „Freigabe“.
In dem Moment, in dem der Staatsanwalt den Stempel „Freigegeben“ setzt, endet die staatliche
Fürsorgepflicht. Ab dieser Sekunde tickt die Gebührenuhr für die Familie. Wird der Verstorbene nicht sofort
abgeholt, wird er „ausgelagert“. Die Rechtsmedizin braucht den Platz, der Verstorbene wandert in die
nächste staatliche Kühlzelle – und die nächste Rechnung flattert ins Haus.
Es ist ein System der Gefahrenabwehr und Hygiene. Auf dem Land mag ein Verstorbener manchmal noch
Tage in einer kleinen Krankenhauskapelle liegen bleiben können – in der Großstadt ist dafür kein Platz.
Hier ist der Tod ein logistischer Prozess.
Wir erleben immer öfter Familien, die von dieser Wucht der Bürokratie völlig überrollt werden. Sie kämpfen
mit dem Verlust und werden gleichzeitig mit Bescheiden konfrontiert, die sie kaum einordnen können.
Dass der Staat hier wie ein effizientes Logistikunternehmen agiert, ist rechtlich sicher und professionell
organisiert – für die Hinterbliebenen fühlt es sich jedoch oft an wie ein Schlag ins Gesicht.
Es ist unsere Aufgabe als Bestatter, in diesem Mahlwerk der Behörden der Anker für die Familien zu sein.
Denn auch wenn die Paragrafen keine Tränen kennen, so sollte es die Begleitung auf dem letzten Weg
dennoch tun.
Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
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