Die „vergessene“ Familie: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

 

Manchmal sind es die kleinen Pausen im Gespräch, die mich hellhörig machen. Da sitzen mir die Kinder

eines Verstorbenen gegenüber – engagiert, organisiert, bereit, alles in die Wege zu leiten. Man spricht über

die Blumen, den Sarg, den Ablauf. Alles wirkt harmonisch, bis die Sprache auf den Familienstand des

Vaters kommt.

„Ein bisschen ledig“ gibt es nicht

 Oft erlebe ich dabei skurrile Dialoge. Da heißt es am Telefon erst: „Mein Vater war ledig.“ Im Gespräch

frage ich dann nach: „Und Sie sind die Tochter? Ja? Und Ihre Mutter?“ – „Naja, meine Mutter ist schon vor

Jahren gestorben.“ – „Ach so, dann war Ihr Vater also verwitwet?“

 

Man merkt förmlich, wie versucht wird, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Doch die Krönung

kommt meist erst, wenn wir über die weiteren Angehörigen sprechen.

Das Rätsel um den Halbbruder

„Haben Sie eigentlich noch Geschwister?“, frage ich beiläufig.

 

Die Tochter zögert kurz. „Ja, also... ich habe einen Halbbruder. Mein Vater hatte noch einen Sohn. Aber zu

dem habe ich keinen Kontakt.“

 

Hier fängt für mich die eigentliche Arbeit an. Denn rechtlich gesehen ist dieser Halbbruder genauso

bestattungspflichtig wie sie.

 

„Haben Sie denn eine Vollmacht von Ihrem Vater, dass Sie sich allein um alles kümmern dürfen?“, hake ich

nach.

 

„Nein, habe ich nicht.“

 

„Aber Sie möchten das jetzt alles so umsetzen?“

 

„Ja.“

 

„Wissen Sie denn, wo Ihr Halbbruder lebt?“

 

„Nein, das weiß ich nicht.“

 

Detektivarbeit statt Trauerbegleitung

 

An diesem Punkt frage ich mich: Wie stellen sich die Leute das vor? „Ja, wie dann?“, denke ich mir nur. Ich

kann ja schlecht eine Bestattung beauftragen und dabei die Hälfte der gesetzlich Verpflichteten einfach

unter den Tisch fallen lassen – vor allem, wenn vielleicht auch noch eine aktuelle Ehefrau im Spiel ist, die

man „vergessen“ hat zu erwähnen.

Wer dem Standesamt oder mir gegenüber Familienmitglieder unterschlägt, spielt ein gefährliches Spiel. Es

geht dabei nicht nur um die Kosten, sondern oft um Erbfolgen und Rentenansprüche.

Ertappt lenken die meisten dann doch höflich ein und versprechen, sich um die Adressen und Dokumente

zu kümmern.

Ich sage es ja nur mal:

Ein seriöser Bestatter schützt nicht nur die Würde des Toten, sondern

bewahrt die Hinterbliebenen manchmal auch vor ihren eigenen, allzu menschlichen Abwegen. Da bin ich ja

mal gespannt, was am Ende wirklich in der Akte landet.

Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

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