Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, eine Abschiedsfeier an einem Dienstagabend im Lieblingsrestaurant des Verstorbenen abzuhalten? Wenn man solche modernen, lebensnahen Vorschläge macht, erntet man oft kein Kopfnicken, sondern ein erschrockenes Zurückweichen.
„Das kenne ich so nicht“ ist dabei meist nur der höfliche Deckmantel für eine viel tiefere Blockade: die Angst vor dem Urteil der anderen.
Hinter dieser Verschlossenheit steckt oft ein jahrzehntelang antrainierter gesellschaftlicher Zwang. Es ist die Sorge vor der Frage: Was denken bloß die Nachbarn? Wir unterwerfen uns einer starren Choreografie, weil wir glauben, Würde sei gleichbedeutend mit Distanz und Formalität.
Doch diese Zwänge können unerträglich werden, weil sie den Menschen in einer Ausnahmesituation die Luft zum Atmen nehmen. Wer sich mehr Gedanken um die Etikette macht als um den persönlichen Ausdruck, verpasst die Chance auf einen wirklich heilenden Abschied.
Um diese Blockaden zu lösen, hilft ein Blick auf das, was jenseits der „Norm“ möglich ist. Moderner Abschied bedeutet, die Persönlichkeit des Verstorbenen kompromisslos in den Mittelpunkt zu rücken:
Die „After-Work“-Trauerfeier: Warum muss eine Beisetzung immer vormittags stattfinden? Eine Zeremonie in der Dämmerung, bei Fackelschein oder im privaten Garten, ermöglicht es Freunden und Kollegen, ohne Zeitdruck in einer intimen Atmosphäre Abschied zu nehmen.
Der gestaltete Sarg: Statt eines polierten Eichenmodells wird ein unbehandelter Holzsarg gewählt, den Kinder, Enkel und Freunde mit persönlichen Botschaften, Zeichnungen oder Handabdrücken versehen. So wird das „Möbelstück“ zum letzten Liebesbrief.
Thematische Akzente statt Einheits-Schwarz: War der Verstorbene ein leidenschaftlicher Gärtner? Dann verteilen wir Samentütchen statt Trauerkarten. War er ein Weltenbummler? Dann gibt es Fingerfood aus seinen Lieblingsländern statt Butterkuchen.
Persönliche Rituale: Das Beilegen handgeschriebener Briefe in den Sarg oder das gemeinsame Anstoßen mit dem Lieblingsgetränk direkt am Grab bricht das Eis der Erstarrung.
Wahre Tradition sollte uns Halt geben, uns aber nicht fesseln. Es ist der höchste Respekt vor dem Individuum, den Abschied so zu gestalten, wie der Mensch gelebt hat: authentisch, vielleicht laut, vielleicht unkonventionell, aber immer echt.
„Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“ — Gustav Mahler
Wenn wir nur das tun, was wir schon immer kannten, beten wir die Asche an. Wenn wir den Abschied lebendig gestalten, bewahren wir das Feuer.
Es ist Zeit, die Blockaden zu lösen. Ein Abschied muss sich nicht „richtig“, sondern „stimmig“ anfühlen. Wer sagt denn, dass Lachen bei einer Trauerfeier verboten ist? Wir müssen anfangen, uns gegenseitig die Erlaubnis zu geben, aus den gewohnten Rollen auszubrechen. Am Ende zählt nicht die Meinung des Nachbarn, sondern das gute Gefühl, einem geliebten Menschen so Lebewohl gesagt zu haben, wie es seinem Wesen entsprochen hätte.
Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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