Man steht an einem dieser märzlichen Tage draußen vor einer ehrwürdigen Friedhofskapelle und wartet.
Der Wind pfeift ein wenig um das historische Mauerwerk, die Urne ist bereit, und drinnen nimmt die
Trauergemeinde Abschied.
Während man so wartet, schweift der Blick – und bleibt an etwas hängen, das
so gar nicht in die sakrale Stille passen will: Ein massives Industrie-Stromaggregat, das als externe
Energiequelle fungiert und mit dicken Kabeln ins Innere führt.
Ein Schild an der Tür, eine kurze Entschuldigung vorab – „Wir haben leider ein
technisches Problem mit der Heizung und mussten kurzfristig eine Notlösung finden.“
Doch wer genauer hinsieht, kommt ins Grübeln. Da steht er, der stumme Zeuge der technischen
Improvisation, dezent im Hintergrund platziert wie ein Statist in einem Theaterstück. Und während man die
kühle Märzluft einatmet, fällt einem plötzlich etwas auf: Die „Notlösung“ brummt gar nicht. Sie steht einfach
nur da.
Ist das eigentlich alles so, wie es scheint?
In einer Zeit, in der wir täglich mit Informationen konfrontiert werden, die wir kaum noch prüfen können, wirkt
so ein Aggregat fast wie ein Beruhigungsmittel für das Gewissen. Man hat sich ja bemüht. Man hat die
Technik aufgefahren. Dass sie gar nicht läuft, merkt im feierlichen Moment drinnen vermutlich kaum jemand
– man schiebt das Frösteln eben auf die alte Bausubstanz oder den Ernst des Anlasses.
Wer würde es schon wagen, im schwarzen Anzug zum Aggregat zu treten, den Stecker zu prüfen oder
nach dem Einschaltknopf zu suchen? Niemand. Man nimmt die Entschuldigung dankbar an, rückt den
Schal etwas enger und akzeptiert das Schicksal der „defekten Technik“.
Es ist schon faszinierend, was in unseren ehrwürdigen Gebäuden heute so passiert. Da trifft ehrwürdige
Tradition auf eine Kulisse der Moderne, die vielleicht mehr über unsere heutige Art zu kommunizieren
aussagt als über die tatsächliche Raumtemperatur.
Schauen Sie ruhig zweimal hin. Nicht alles, was nach Rettung aussieht, ist auch angeschaltet.
Am Ende bleibt uns das Schmunzeln über die perfekte Inszenierung einer Panne – und die Erkenntnis,
dass man manchmal mit einer guten Entschuldigung und einem beeindruckenden Gerät mehr erreicht als
mit tatsächlicher Wärme.
Der Trauerhahn
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