Wenn das Vertrauen keine 90 Minuten hält: Was ist ein Wort heute noch wert?

 

 

 

Es gibt Momente in meinem Beruf, die mich auch nach Jahrzehnten noch tief bewegen – und manchmal auch fassungslos zurücklassen. Kürzlich erlebte ich eine Situation, die mich nachdenklich macht: Wie gehen wir heute eigentlich mit Vertrauen und Verbindlichkeit um?

Warum bricht das Fundament bei einer „Marktpreis-Mentalität“ zusammen?

Stellen Sie sich vor: Ein Ehepaar trifft gemeinsam Vorsorge. Sie entscheiden zu Lebzeiten gemeinsam, wie sie einmal Abschied nehmen wollen, regeln die Details und hinterlegen ihre Wünsche bei uns. Sie tun dies, um sich gegenseitig zu entlasten. Dann kommt der Tag des Abschieds. Ein Ehepartner stirbt. Wir sind vorbereitet. Ein Mitarbeiter nimmt sich eineinhalb Stunden Zeit für einen intensiven Hausbesuch – zum Beraten, Trösten und Planen. Man schaut sich in die Augen, man reicht sich die Hand – und man unterschreibt die Vollmacht.

 

Doch noch während mein Mitarbeiter den Heimweg antritt, erreicht unser Büro eine Nachricht der Enkelgeneration: Man solle bitte noch nicht agieren, man wolle erst noch „Vergleichsangebote“ einholen. 

Warum ist ein ehrliches Wort würdevoller als eine distanzierte Nachricht?

 

Ein Bestatter ist kein anonymer Online-Händler. Wir begleiten Menschen in ihrem schwersten Moment. Das erfordert absolute Offenheit. Wenn die Chemie vor Ort nicht stimmt, dann gehört es zum gegenseitigen Respekt, dies direkt auszusprechen. Ein ehrliches „Wir fühlen uns gerade nicht gut aufgehoben“ im Wohnzimmer ist tausendmal würdevoller als eine distanzierte Mail, kurz nachdem man dem Berater noch die Hand geschüttelt hat.

Warum ziehen wir die Konsequenz bei gestörtem Vertrauen?

 

In einem solchen Fall ziehe ich die Konsequenz: Wo das Vertrauen schon vor dem ersten Glockenschlag gestört ist, da können wir nicht mit der nötigen Hingabe arbeiten. Wir sind keine Bittsteller, sondern Experten für einen der sensibelsten Bereiche des Lebens. Dass daraufhin oft auch die Vorsorge des überlebenden Partners storniert wird, ist die logische Folge eines verlorenen Vertrauens. Es ist ein trauriger Abschluss für eine Planung, die einst mit so viel Weitsicht und Einigkeit begonnen wurde.

Mein Appell: Mut zur Aufrichtigkeit in Momenten des Abschieds

 

Lasst uns in den Momenten des Abschieds wieder mehr Mut zur Aufrichtigkeit haben. Ein Handschlag sollte mehr zählen als die Suche nach dem vermeintlich „günstigsten“ Angebot in der Sekunde der Trauer.

 

 

 

 

Der Trauerhahn 


 

 

Ihre Stimme für eine moderne Bestattungskultur

 

 

Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“

 

„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der

4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.

 

Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.

 

In unserem Kolumnen-Chatroom – unserem digitalen Gästebuch – möchten wir Ihnen den Raum geben, den die Bestattungskultur so dringend benötigt:

 

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