Kürzlich unterlief uns im Büro ein klassisches Missgeschick: Ein Vorname in einer Kostenaufstellung wurde falsch geschrieben – aus einem „Udo“ wurde ein „Uwe“. Mein erster Impuls war natürlich: „Oh weh, wie peinlich, ausgerechnet jetzt!“ Doch die Reaktion des Betroffenen war herrlich menschlich und brachte mich tief zum Nachdenken.
Ist es nicht so, dass wir in der tiefsten Trauer oft wie eine Schallplatte sind, deren Nadel in einer Furche feststeckt? Man kreist unablässig um sich selbst, um den Schmerz und die Leere. Und dann kommt da plötzlich dieser eine kleine Tippfehler.
Für einen kurzen Augenblick springt die Nadel aus der gewohnten Spur. Man lauert in der Trauer förmlich darauf, etwas im Außen zu finden, auf das man reagieren kann. Ein „Uwe“ statt ein „Udo“ – und plötzlich ist man für eine Sekunde abgelenkt vom eigenen Leid. Man tritt wieder in Kontakt mit der Welt, schreibt eine E-Mail, schmunzelt vielleicht sogar über die „Wurstfinger“ des Gegenübers oder die Tücken der Technik.
Diese kleinen Missgeschicke sind eigentlich Signale der Menschlichkeit. Sie zeigen uns: Auf der anderen Seite sitzt kein fehlerfreier Algorithmus, sondern ein Mensch, der auch mal danebengreift. Wenn wir lernen, darüber hinwegzusehen oder es gar mit Humor zu nehmen, öffnen wir die Tür für eine echte Verbindung.
In der Trauer sind wir oft so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir den Blick für das Gegenüber verlieren. Ein gemeinsamer kleiner Fehler schafft eine Brücke – ein geteiltes „Mensch-Sein“ in einer Zeit, die sich ansonsten oft so unmenschlich schwer anfühlt.
Vielleicht sollten wir dankbar sein für diese kleinen Stolpersteine. Sie zwingen uns, den Kopf kurz zu heben und festzustellen: Das Leben da draußen geht weiter, mit all seinen charmanten Unvollkommenheiten. Ein falsch geschriebener Name ist kein Weltuntergang, sondern eine Einladung zum Dialog.
Lassen wir die Nadel ruhig mal aus der Furche springen. Es ist oft der erste, kleine Schritt zurück ins Leben.
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Der Trauerhahn
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