Das Leben schreibt oft Drehbücher, die wir so nicht bestellt haben. Gestern Abend, am Ostersamstag, war so ein Moment. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg nach Kirchwerder. Das Ziel: Dieses gewaltige Osterfeuer – eine Tradition, die uns hier im Hamburger Umland zeigt, wie wertvoll Gemeinschaft ist. Man will die Geister des Winters vertreiben, das Licht begrüßen und einfach mal durchatmen.
Doch die Fahrt dorthin lehrte uns eine andere Lektion über das Schicksal.
Auf der Gegenfahrbahn herrschte plötzlich absoluter Stillstand. Kilometerlang standen die Autos dicht an dicht, nichts ging mehr. Es bot sich ein fast schon gespenstisches Bild: Menschen, die ihre Fahrzeuge verlassen hatten und auf der voll gesperrten Autobahn spazieren gingen. Eine surreale Szene des Wartens, während für jemanden anders in diesem Moment jede Sekunde zählte.
Beim Vorbeifahren wurde das Ausmaß sichtbar: Ein Motorrad war hunderte Meter weit über den Asphalt geschleudert worden, bevor es völlig zerschmettert liegen blieb. Das war kein kleiner „Rums“. Es war die pure Gewalt eines Augenblicks, der alles verändert.
In unserem Auto wurde es augenblicklich still. Diese ganz besondere, schwere Stille, die aufkommt, wenn man realisiert, wie schnell das Schicksal zuschlagen kann. Während wir zu einem Fest fuhren, das den Sieg des Lebens feiert, blieb auf der anderen Seite der Leitplanke die Zeit stehen.
n Kirchwerder angekommen, bot sich ein Bild wie aus einer anderen Welt. Die Organisation war beeindruckend, das Feuer gewaltig und erhellte den gesamten Nachthimmel über der Elbe. Die Menschen standen zusammen, lachten, wärmten sich an der Glut. Und doch trug ich die Bilder der A1 bei mir.
Früher sagte man, das Osterfeuer vertreibe die bösen Geister. Heute sehe ich das vielleicht ein wenig anders: Das Feuer vertreibt nicht den Tod oder das plötzliche Unglück – das wäre zu einfach. Aber es gibt uns die Kraft, die Dunkelheit auszuhalten. Es erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind, wenn der Schatten zuschlägt.
Als Bestatter begleite ich das ganze Jahr über Menschen, für die das Licht gerade erloschen ist. Oft sind es genau diese Gegensätze, die das Leben ausmachen:
Die Freude über den Frühling und die plötzliche Trauer über einen Verlust.
Die Wärme der Gemeinschaft am Feuer und die Einsamkeit im Moment eines Unfalls.
Wir dürfen das Feuer genießen, wir dürfen feiern – aber vielleicht tun wir es mit einer tieferen Dankbarkeit, wenn wir wissen, wie schnell sich die Szenerie ändern kann. Meine Gedanken sind heute bei dem Motorradfahrer und all jenen, für die die Fahrt am 4. April nicht am Feuer endete.
Passen Sie auf sich auf – im Verkehr und im Leben.
Der Trauerhahn
Reden wir Tacheles – Ihre Meinung im „Trauerhahn-Dialog“
„Tradition braucht den Austausch, und Fortschritt braucht Ihre Stimme. Als Familienunternehmen in der
4. Generation wissen wir, dass Abschiede so individuell sind wie das Leben selbst.
Doch oft stehen veraltete Gesetze und starre Strukturen unserem Wunsch nach Freiheit im Weg.
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