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Bei der Planung einer Beisetzung suchen Angehörige oft nach Wegen, den Abschied persönlicher und weniger trist zu gestalten. Wenn eine Hamburger Unternehmerin geht, die ihr Leben dem geschriebenen Wort und der Werbewelt gewidmet hat, darf das Ende kein grauer Standard sein. Wer das Standardwerk für Werbefachleute herausgegeben hat, hinterlässt Spuren. Für den letzten Auftritt in Ohlsdorf gab es daher nur eine Farbe, die infrage kam: Ein leuchtendes, mutiges Rot.
Viele Familien recherchieren vorab, wie viel Freiraum für persönliche Gestaltung auf einem großen Traditionsfriedhof überhaupt bleibt. Die Grabfläche direkt neben einer der prachtvollen historischen Treppen in Ohlsdorf lieferte darauf eine eindeutige Antwort. Hier stand kein dunkler Samt, sondern ein knallroter Sonnenschirm. Darunter thronte, geschützt vor dem typischen Hamburger Wind, die Urne in einem kräftigen, glänzenden Rotton. Dieser „Open-Air-Abschied“ zeigte eindrucksvoll, dass unkonventionelle Statements absolut möglich sind.
Ein sehr häufiger Suchbegriff rund um Trauerfeiern ist die Frage nach Alternativen zur klassischen kirchlichen Predigt. Statt einer starren Zeremonie kann der Abschied direkt am Grab zu einer sehr lebendigen Hommage werden. Bei dieser Beisetzung traten Freunde vor und ließen das Leben der Verlegerin in eigenen, persönlichen Worten Revue passieren. Es wurde das Leben gewürdigt – standesgemäß mit einem Getränk in der Hand, um noch ein letztes Mal gemeinsam anzustoßen.
Gibt es strenge Vorschriften für die Musikauswahl am Grab? Der große Abgang dieser Beisetzung zeigte, wie kraftvoll moderne oder außergewöhnliche Lieblingsmusik wirken kann. Als die Stimme von Shirley Bassey mit ihrer Hymne „This is my life“ über die Grabfelder erscholl, war der Gänsehautmoment perfekt. Eine Diva verabschiedete eine Diva. Grundsätzlich gilt: Erlaubt ist, was die Persönlichkeit des Menschen authentisch widerspiegelt.
Eine zeitgemäße Beisetzung bedeutet, die Identität eines Menschen bis zum Grab weiterzuspinnen. Wenn die Trauergäste am Grab stehen und lächeln müssen, weil sie die Verstorbene in genau diesem roten Sonnenschirm sofort wiedererkennen, ist der Abschied gelungen. Es war kein trauriges Ende, sondern ein letztes, großes Kapitel Hamburger Verlagsgeschichte. Wahre Würde entsteht hier durch den Mut zur Farbe und zur eigenen Geschichte.
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